[Rezension] Harper Lee – Wer die Nachtigall stört

[Rezension] Harper Lee – Wer die Nachtigall stört

Wer die Nachtigall stört (To kill a mockingbird) ist ein 1960 erschienener Roman von Harper Lee, die nach dem Erfolg des Buches keinen weiteren Roman veröffentlichte.

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Scout (eigentlich Jean Louise) und Jem Finch wachsen in den 1930er Jahren in Maycomb, Alabama auf. Sie werden von ihrem Vater, dem Anwalt Atticus Finch groß gezogen. Als dieser Pflichtverteidiger des Schwarzen Tom Robinson wird, gerät die geordnete Welt der beiden Geschwister aus den Fugen. Dieser wird verdächtigt, ein weißes Mädchen vergewaltigt zu haben. Obwohl Atticus vor Gericht die Unschuld des Mannes belegen kann, befinden die Geschworenen ihn für schuldig. Die Kinder müssen sich zum ersten Mal mit Rassismus auseinandersetzen. Im Verlauf der Erzählung werden auch sie selbst zur Zielscheibe von Anfeindungen, diese gipfeln im Racheschwur des Hauptanklägers Bob Ewell.

Das Buch ist in zwei Abschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt legt Lee den Rahmen der Handlung, führt die Figuren ein und erläutert die Hintergründe. Im zweiten Teil dreht sich die Erzählung um die Gerichtsverhandlung und die daraus resultierenden Ereignisse. Erzählerin ist Scout, zu Beginn ca. 6 Jahre alt, zum Ende ca. 8 Jahre alt. Lee hat bewusst eine kindliche und unschuldige Perspektive gewählt. So kann sie ihre Hauptfigur viele Dinge, die den Erwachsenen in Fleisch und Blut übergegangen sind, hinterfragen und in Frage stellen lassen. Besonders, nachdem ihr Vater Robinsons Pflichtverteidiger wird, beginnt Scout die Geschehnisse um sich herum in anderem Licht zu betrachten.
Die im Titel vorkommende Nachtigall, der Staatsvogel einiger Südstaaten der USA, kommt im Buch selbst nie vor. Dennoch ist sie ein zentraler Punkt im Buch. So wird Scout z.B. von einer Nachbarin erklärt, man dürfe Nachtigallen nicht töten, da sie nur singen würden und niemandem etwas Böses tun würden.

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Ich habe tatsächlich am Anfang mit dem Buch kämpfen müssen. Der erste Teil zog sich überraschend lange hin und wirkte auf mich irgendwie ziellos. Erst im zweiten Teil des Buches konnte ich all die gelesenen Informationen miteinander verknüpfen und es ergab sich ein Gesamtbild.
Ein weiteres Problem war für mich die Erzählerin Scout. Ich fand es ziemlich anstrengend mich in die Perspektive einer Achtjährigen zu versetzen und habe ihr auch einige ihrer Gedankengänge nicht abgenommen. Sie kamen mir für dieses Alter einfach zu „hoch“ vor, auch wenn die von ihr gefragten Dinge und angestellten Überlegungen natürlich einen Sinn ergaben.
Dennoch kann ich jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen. Lees Buch erlaubt interessante Einblicke in die Geschichte des amerikanischen Rassismus und den Umgang damit. Hier ist natürlich die Kinder-Perspektive spannend, da sie viel weitergeht, als ein Erwachsener es tun würde. Gerade aus diesem Grund halte ich das Buch für einmalig.

Eure Maike