Von süßen Früchten, Hamburgliebe und Rehen

Von süßen Früchten, Hamburgliebe und Rehen

JANNA STEENFATT – Die Überflüssigkeit der Dinge

Der Roman "Die Überflüssigkeit der Dinge" über einem Hamburg Poster

Eine Tochter geht auf Sinn- und Vatersuche nach dem Tod ihrer Mutter. An sich ein Plot, der wenig Originelles hat. Doch erzählt Janna Steenfatt in ihrem Debüt auf so frische und sonderbare Weise von einer jungen Frau in Hamburg und ihrem Weg zu sich selbst. Man hat das Gefühl, dass hier die alten Themen vom Loslösen von der übermächtigen erfolgreichen Mutter, der Sinnsuche nach dem Studium und der mögliche Beginn einer Liebe, die aus einer Freundschaft erwachsen kann, eher als loses Raster für eine überraschende Charakterstudie einer ungewöhnlichen Frauenfigur dient. Die typischen Handlungsmotive wiegen einen in Sicherheit, nur um im kommenden Moment gebrochen und neu interpretiert zu werden. Mich hat die Geschichte, besonders der Teil über ihre Beziehung zu ihrem Mitbewohner, immer wieder überrascht, teilweise verwirrt. Und genau das hat mir so gut gefallen. Hinzu kommt das intensive Hamburg-Feeling, denn die Stadt spielt eine nicht kleine Rolle in diesem außergewöhnlichen Romandebüt.

Das Buch beim Verlag

MONIQUE TRUONG – Sweetest Fruits

Ein Buch, das es mir nicht so leicht gemacht hat. Es hat mich etwas ratlos zurückgelassen, doch eigentlich fand ich den Aufbau und die Erzählweise sehr spannend. Sweetest Fruits erzählt das Leben des Schriftstellers Lafcadio Hearns aus der Sicht der Frauen, die ihn durch sein Leben begleiteten. Von seiner griechische Mutter über die beiden Ehefrauen – eine in Amerika und eine in Japan – bis hin zu der Forscherin, die all die Fragmente seines Lebens zu einer Biografie zusammensucht, sind es ausschließlich Frauen, weibliche Blicke auf eine Zeit (1850-1904) in der gewöhnlicherweise die Männer der Erinnerung ihre Stimme gaben. Hier kommen nun die Frauen zu Wort – ganz unterschiedliche, in ihrem Temperament und Erzählstil kaum miteinander vergleichbare Frauen, und erzählen von ihrem Lafcadio. Immer ein wenig anders erschlossen sich bestimmte Verhaltensweisen dieses in sich verschlossenen Mannes nur durch die Erzählungen der anderen Frauen – doch blieb er stets für alle vier ein Rätsel. Und auch für mich blieb er es am Ende. Er bleibt stumm, seine Entscheidungen und seine Rastlosigkeit, aber auch sein Verhalten gegenüber seinen Ehefrauen machten ihn mir nicht unbedingt sympathisch. So bleibe ich zurück – bin zum einen sehr beeindruckt von Idee und Sprache dieses Romans, und doch schüttle ich zum anderen bedauernd den Kopf über die vertane Chance, etwas mehr Struktur und Klarheit in diese leicht verworrene Erzählung zu bringen. Dann wäre es ein sehr guter Roman geworden.

Das Buch beim Verlag

VICKI BAUM – Vor Rehen wird gewarnt

Wieder mal ein dickerer Roman, den ich einfach nicht bis zum Ende spannend genug fand und deshalb im letzten Drittel abgebrochen habe. Schade, denn an sich liebe ich die früheren Werke von Vicki Baum, ihren frischen und lebendigen Erzählstil sehr.
Und auch dieser Roman beginnt mit einem Knall: Genauer gesagt mit einem Schubs einer alten Lady vom fahrenden Zug.
Die alte Lady ist die Protagonistin dieses nahezu epischen Romans. Das Reh, vor dem der Titel hier warnt, ist die wunderschöne Ann Ambros. So zart wie durchtrieben ertrickst sie sich ihren steinigen Weg durch die Welt. Heiratet den Mann ihrer verstorbenen Schwester und treibt ihn fast in den Wahnsinn, überlebt Erben, Krisen und alle möglichen Schicksalsschläge, nur um dann wieder ladylike mit Whiskey in der Hand über ihre Feinde zu triumphieren.
Leider war mir das Buch dann doch eine Spur zu intrigant und Ann hat mich so in den Wahnsinn getrieben, dass das Buch mit Wut in der Ecke landete. Vermutlich hätte es bei ein paar weniger Intrigen (und 400 Seiten weniger) eines meiner Lieblingsbücher werden können. So konnte ich einfach irgendwann nicht mehr.

Das Buch beim Verlag

Ein spannendes Interview mit der Lektorin bei Readpack