Von Kanadischen Zügen, Dirigentinnen und dem Sinn

Von Kanadischen Zügen, Dirigentinnen und dem Sinn

Jocelyne Saucier – Was dir bleibt

Gladys ist 76 Jahre alt, als sie irgendwo zwischen zwei Zügen verschwindet. Ihre Freunde beginnen sie zu suchen und ihrer Geschichte nachzuforschen. Denn Gladys hat eine enge Verbindung zu Zügen. Dort geboren und aufgewachsen, sind sie für sie mehr als ein Transportmittel. Sie bringen Bildung, verbinden Freunde und sind ein Bollwerk der Zivilisation. Ein Journalist macht sich auf, um die Spuren von Gladys letzter großen Reise zu verfolgen. Dabei findet er selbst Liebe und Freundschaft und entdeckt, dass diese großartige Frau durch ihr Verschwinden einen letzten großen Coup angestoßen hat, der viele Leben verändert.
Ein leiser, feiner Roman über die Magie der Reise namens Leben.

Was dir bleibt beim Verlag

Maria Peter – Die Dirigentin

Antonia Brico – eine der wenigen Dirigentinnen der 20. Jahrhunderts, die heute kaum noch bekannt ist. Dabei hat sie fast 50 Jahre lang aktiv in den größten Konzertsälen der Welt gearbeitet. Fasziniert von ihrer Arbeit, hat Maria Peters einen Kinofilm und kurz danach einen Roman über das Leben dieser außergewöhnlichen Musikerin geschaffen.
Falls ihr einen Eindruck bekommen wollt, schaut am besten einmal in den Trailer rein.
Das Buch ist entsprechend sehr nah an der filmischen Vorlage und sehr filmisch verfasst. Ich mag den Perspektivwechsel zwischen Antonia und den anderen zentralen Figuren. Selbst die Liebesgeschichte zwischen ihr und dem Musikmanager Frank ist dramatisch, aber nie kitschig. Ein kurzweiliger Roman, der viel über die misogynen Zustände in der Musikszene des 20. Jahrhunderts offenbart. Durch die feinen Beobachtungen der Erwartungen an Frauen in der Branche und Erwartungen an Frauen allgemein gewinnt der Roman eine interessante Tiefe. Für mich ein kleiner Überraschungstitel des Jahres.

Das Buch beim Verlag

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Trailer zu Die Dirigentin

Anne Tyler – Der Sinn des Ganzen

Anne Tyler ist eine der Autor*Innen, die mich immer wieder durch ihre feine Beobachtungsgabe für menschliche Beziehungen aller Art überzeugen. Sie schafft es, vollkommen normale Menschen ohne besondere Merkmale so zu beschreiben, dass man unbedingt erfahren möchte, ob sie doch noch aus ihren engen Bahnen ausbrechen. Man wünscht es ihnen und meist tun sie es. Doch in diesem Roman über Micah Mortimer sprang für mich der Funke nicht über. Micah ist Mitte 40 und ein Sonderling. Er arbeitet als Computerexperte, aber auch nur das Nötigste. Hat eine Beziehung, aber auch nur ein Minimum – den nächsten Schritt ist er nicht bereit zu gehen. Seine Familie beäugt sein Leben mit einem nachsichtigen Lächeln und wundert sich schon lange nicht mehr über sein Eigenbrödlertum.
Doch dann steht eines Tages ein junger Mann vor der Tür – er ist der Sohn seiner ersten großen Liebe, der zufälligerweise so alt ist wie die Trennung zurückliegt. Dieser Umstand bringt Micahs Leben ganz schön durcheinander und er – aber auch vor allem seine langjährige Partnerin – beginnen das Gewohnte zu hinterfragen.
So schön ich die Idee der Geschichte finde, konnte mich die Beschreibung von Micah und auch seine Entwicklung nicht ganz überzeugen. Dieser Titel bleibt hinter den anderen Titeln von Anne Tyler – besonders Der leuchtend blaue Faden – zurück.

Das Buch beim Verlag