Von Busen, SchauspielerInnen und Hamburger Klugscheißern

Von Busen, SchauspielerInnen und Hamburger Klugscheißern

Wieder habe ich ein paar Titel, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

ANNE ENRIGHT – DIE SCHAUSPIELERIN

Anne Enright ist eine Schriftstellerin, die mich mit Rosaleens Fest sehr beeindruckte. Sie ist eine ausgezeichnete Erzählerin mit dem richtigen Gespür, die einzelnen, feinen Verflechtungen zwischen den Familienmitgliedern aufzuzeigen und dadurch die sehr eigene Dynamik innerhalb jeder Familie authentisch zu beschreiben. Das ist in meinen Augen ihre große Stärke. Doch in diesem Buch bleibt sie leider hinter den anderen Titeln zurück. Sie beschreibt die Beziehung zwischen Norah und ihrer Mutter, einer berühmten Schauspielerin. In Rückblicken beschreibt Norah den Werdegang ihrer Mutter von einer Dorfschauspielerin nach Hollywood zu einer gebrochenen Frau, die früh stirbt.

Doch irgendwie bleiben mir die Figuren trotz einer intensiven Fokussierung auf wenige Akteure seltsam fremd. Zwischendrin kam es für mich durch die verschachtelte Erzählweise immer wieder zu Verwirrung. Norah scheint indirekt immer ihren Ex-Mann mit der Geschichte anzusprechen, aber was zwischen ihnen vorgefallen ist und warum sie ihm das Leben ihrer Mutter erzählt (und ob als Brief, Telefonat oder nur in Gedanken) wird nicht deutlich. Ein Buch, das mir sicherlich nicht lang im Gedächtnis bleiben wird, dafür hat mich zu wenig berührt.

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LISA FRÜHBEIS – BUSENGEWUNDER

Die feministischen Kolumnen von Lisa Frühbeis erschienen über die letzten Jahre im “Tagesspiegel” und erzählen in mal ein-, mal mehrseitigen Comics aus dem weiblichen Alltag und ihren Beobachtungen zu den Geschlechterverhältnissen.
Diese Sammlung fasst nun einige dieser Kolumnen auf, teilweise wurden sie erweitert. Grundsätzlich fand ich die Comics unterhaltsam, wenn auch wenig einprägend. Ich habe sie in kurzer Zeit durchgelesen und konnte danach nicht unbedingt sagen, dass mir viel davon im Gedächtnis geblieben ist. Jedoch hat mich die Lektüre unterhalten und ich habe sie inzwischen noch ein paar Mal zur Hand genommen und erneut darin geblättert. Die Comics sind amüsant, mit einem lockeren, selbstironischen Stil. Einige Beobachtungen sind sehr treffend, teilweise entlarvend. Sie zeigen selbstironisch Ungleichbehandlungen von Frauen. Besonders gut fand ich die selbstreflektiven Betrachtungen von Frauendarstellungen in Comics – worauf auch der Titel anspielt. Zwar ist Vieles bereits bekannt, jedoch unterhaltsam dargestellt. Ich würde Lisa Frühbeis nicht zu den radikalen Feminist*innen zählen. Die Comics sind eher Feminismus light. Auch mal ganz nett.

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Sven Kummereincke – Hamburg für Klugscheißer

Wenn ihr in diesem Jahr auch eher Urlaub in der Heimat macht, kann ich euch einen Trip nach Hamburg empfehlen. Ich bin da als Wahlhamburgerin natürlich befangen. Doch seit der Lektüre dieses lustigen und sehr informativen Büchleins über die Eigenheiten der Hamburger*innen und erstaunliche Fakten über die freie, stolze Stadt, bin ich noch mehr davon überzeugt! Hamburg ist etwas ganz Besonderes und immer wieder einen Besuch wert.
Man erfährt, warum die reichen Kaufleute gern um eine Reichsmark mit den Zinsen in Verzug waren, was ein Tüddelband ist und warum man Labskaus mal eine Chance geben sollte. Die Wahrheit über Klaus Störtebeker wird genauso informativ und unterhaltsam erklärt wie die Aversion des Hamburgers gegen Orden.
Ich liebe solch nerdiges, unnützes Wissen. Denn dadurch lernt man so viel über die Geschichte und Mentalität einer Stadt! Für die Einstimmung auf den nächsten Hamburgtrip unbedingt anschauen.

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