Unter Freunden – Cynthia D’Aprix Sweeney

Unter Freunden – Cynthia D’Aprix Sweeney

Da ist dieses Foto: Es zeigt zwei Paare und zwischen ihnen ein kleines Mädchen auf einer Treppe. Dieses Foto liegt nun viele Jahre zurück, das kleine Mädchen ist eine junge Frau. Die Paare sind immer noch befreundet, doch gibt es Geheimnisse und Unausgesprochenes.
Durch die Vorbereitung der Abschlussfeier für ihre Tochter entdeckt Flora einen Umschlag, der ihre Ehe in Frage stellt. Gleichzeitig treibt sie die Frage um, wie viel ihre Freunde von dem damaligen Geheimnis wussten.

Nun werden noch einmal alle Personen des Fotos an der Treppe zusammenkommen. Doch sind sie noch die selben wie damals?

Ein Wechsel von Gegenwart und Erinnerungen führt uns durch die vielseitige Freundschaft zweier Paare, die sehr unterschiedliche Lebensentscheidungen getroffen haben und nun auf die letzten Jahrzehnte zurückblicken. Es ist ein Roman voller schöner Momente und eleganter Menschen. Ähnlich wie bei “Das Nest”, finde ich die Figuren nahbar und sympathisch. Doch zugleich beschleicht einem beim Lesen immer wieder das Gefühl, als sei das Setting (Künstlerszene in New York und L.A.) ziemlich privilegiert und snobby.

So bewegen sich die Figuren wie in einer Blase, losgelöst von der Welt um sie herum. Es ist wie ein Theaterstück vor einer hübschen Kulisse. Interessante Figuren und eine kluge Ausgangsproblematik, aber am Ende eben auch ein wenig blass. Dadurch bleibt sie nicht eindringlich und ist wie ein nettes Dahinplätschern.

Kann Cynthia D’Aprix Sweeney schreiben? Absolut. Ihr Stil und auch die Übersetzung haben mich wie auch bei ihrem ersten Roman durch ihre Eingängigkeit und die feinen Beobachtungen in der Figurenzeichnung gefesselt. Doch bleibt die Handlung ein wenig unmodern und unaufgeregt.

Eure Mareike


Cynthia D’Aprix Sweeney – Unter Freunden
Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreine
Verlag: Klett-Cotta
Gebunden, 352 Seiten