Uli Leistenschneider – Die wunderbare Florentine Feiertag

Uli Leistenschneider – Die wunderbare Florentine Feiertag

Wenn eine Kinderbuchreihe schon mit einem Umzug in eine rumpelige Kastanienallee führt, der Hinterhof verwildert ist und einen magischen Apfelbaum in der Mittel stehen hat, dann hat man meine Begeisterung eigentlich schon. Florentine Feiertag zieht wieder in das Haus ihrer Kindheit und merkt schnell: Die Nachbarschaft hat ein paar Wunder und Wünsche dringend nötig.

Gemeinsam mit ihrem zarten Rotkehlchen kehrt sie also nach vielen Jahren zurück und kramt direkt den alten Crépes-Stand ihres Vater aus dem Keller: Denn ähnlich wie in „Chocolat“ weiß Florentine genau, welcher Belag den Bewohner*innen perfekt schmeckt.

Florentine beginnt also direkt mit den Crêpes und verkündet, dass ihr Job das Erfüllen von Wünschen des Wunschbaumes sei. Das begeistert vor allem die Kinder der Nachbarschaft und bereits am nächsten Tag flattert das Rotkehlchen mit einem ersten Wunsch im Schnabel vom magischen Apfelbaum herüber.

Die Geschichte ist keine über Zauberkraft, sondern über Zusammenhalt, Aufmerksamkeit und Nachbarschaftshilfe. Florentine sorgt dafür, dass die Nachbarn sich im Hinterhof treffen, kennenlernen und merken, dass sie einander etwas geben können.
Dabei sind es die Kinder, die durch ihre Wünsche diese neue Nachbarschaftsdynamik vorantreiben. Ein Mädchen wünscht sich einen Hund, ein Junge mehr Zeit mit seinen Eltern und der dritte möchte berühmt sein. Alles keine Wünsche, die unbedingt wahre Magie benötigen. Nur jemanden, der zuhört, offen ist und die Wünsche der Kinder ernst nimmt.

Und genau das tut die wunderbare Florentine Feiertag. Sie nimmt die Kinder und ihre Sorgen Ernst – sieht, was die anderen Erwachsenen manchmal im Alltagsstress nicht sehen. Sie durchbricht den Alltag gezielt durch kleine Feste, Flohmärkte, Hinterhofkonzerte oder einfach durch gemeinschaftliche Gartenarbeit.

Besonders schön finde ich aber, dass Florentine eine Vergangenheit hat. Sie trifft auf Freunde und Feinde ihrer eigenen Schulzeit. Der Bürgermeister war ein ehemaliger Klassenkamerad und ein wenig in Florentine verguckt. Außerdem gibt es noch den alten Jahrmarktbudenbetreiber: Dieser scheint noch eine Rechnung mit Florentines Vater offen gehabt zu haben. Man merkt also schon, dass die Reihe noch einige Themen bereit hält.
Der Stil ist angenehm, die Illustrationen von Nina Dulleck wie immer unverwechselbar charmant und etwas exzentrisch. Mit 192 Seiten in eher größerer Schrift kann man dieses Buch auch schon mit 8-9 Jahren gut selbst bewältigen. Aber auch das Vorlesen macht großen Spaß.


Uli Leistenschneider – Die wunderbare Florentine Feiertag.
Ein Wunsch kommt selten allein.
Band 1
Illustrationen: Nina Dulleck
Verlag: Rotfuchs
Gebunden, 192 Seiten