Susan Sontag – The Doors und Dostojewski

Susan Sontag – The Doors und Dostojewski

[lightgrey_box]Begegnung mit einer intellektuellen Ikone: “Die meisten meiner Gedanken entwickle ich im Gespräch.” 1978 treffen sich Susan Sontag und Jonathan Cott zum Interview. Erst in Sontags Pariser Wohnung, dann in ihrem Loft in New York. Entstanden ist ein vielseitiges Gespräch, das Susan Sontag als Denkerin zeigt, vor der kaum ein Thema sicher war, Feminismus, Fotografie, Ästhetik, Ideologie, Chuck Berry und Friedrich Nietzsche, und die sich keinen Deut um die Trennung von Hoch- und Popkultur scherte: “Rock ‘n’ Roll hat mein Leben verändert.” Auch in ihr Privatleben gewährt sie Einblick und erzählt von ihrer Krebserkrankung, die sie zu einer ihrer wichtigsten Publikationen, “Krankheit als Metapher”, veranlasste.[/lightgrey_box]

Susan Sontag Doors CoverIch sollte vorweg sagen, dass ich bisher noch nichts von Susan Sontag gelesen habe. Tatsächlich ist mir ihr Name zwar einige Male begegnet, doch einen wirklichen Bezug zu ihr und ihrem Schaffen hatte ich nicht. Trotzdem habe ich mich mutig an dieses 150-seitige Interview gewagt und wurde nicht enttäuscht.
Im Gegenteil, ich kann nur sagen, dass dieses kleine Büchlein einen wirklich perfekten Einstieg in ihr Schaffen und ihr Denken bietet. Ich fand es unheimlich spannend, gemeinsam mit dem Interviewer den Gedanken von Susan Sontag zu folgen und die Verbindung ihrer Werke untereinander und zu ihrer Biographie mitverfolgen zu können. Ihre Gedanken sind dabei sehr plausibel und systematisch geordnet, man merkt, mit was für einem unheimlich intelligenten Menschen man es hier zu tun hat.
Dabei gibt sie sich nie fehlerlos oder gar arrogant. Es ist eher so, dass sie einige Dinge aus früheren Texten revidiert und einige Zusammenhänge und Gedanken erst direkt im Gespräch mit Jonathan Cott, dem Interviewer, entwickelt.
Auch ohne Vorwissen findet man sich in die Themen ein, versteht, was sie über die kulturelle Bedeutung von Fotografie und Krankheit zu sagen hat. Ihre Auffassung von Feminismus hat mich besonders angesprochen, denn sie geht sehr unaufgeregt und differenziert an dieses Thema heran. Dabei bezieht sie sich immer wieder auf Literatur und literarische Perspektiven, einen Aspekt, den ich so bisher noch nie betrachtet habe. Schreiben Frauen anders als Männer? Warum wird bei Frauen die Weiblichkeit als Maßstab an ihr schöpferisches Werken herangezogen und bei Männern nicht?
Es sind manchmal einfache Sätze, die mich sehr zum Nachdenken angeregt haben und mir Lust auf ihr übriges Werk gemacht haben.

“Lesen ist meine Unterhaltung, meine Ablenkung, mein Trost, mein kleiner Suizid. Wenn ich die Welt nicht mehr ertrage, igle ich mich mit einem Buch ein, und dann bringt es mich von allem fort, wie ein kleines Raumschiff.” S.53

Fazit: Dieses Buch ist ein großartiges Raumschiff, ein Portal in die Gedankenwelt einer höchst intelligenten, reflektierten und authentischen Frau. Unbedingte Leseempfehlung!

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Eure Mareike
Rezensionsexemplar, vielen Dank!

Susan Sontag – The Doors und Dostojewski
Verlag: Hoffman & Campe
Gebunden, S.156, 18,00 €
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