Seesucht

Seesucht

Das ist Jonas. Er liebt das Meer. Nein, genauer gesagt spürt er von kleinauf eine tiefe drängende Sehnsucht im Meer zu sein. Sein ganzes Leben über versucht er darin zu tauchen, Teil der Unterwasserwelt zu sein.


Man begleitet ihn von seiner ersten Begegnung mit dem Meer bis hin ins hohe Alter, als es ihm endlich gelinkt, das perfekte Uboot zu bauen. 
Wir sehen ihn, wie er Treibgut sammelt und aus der stetigen Verschmutzung der Meere etwas Gutes, Produktives erzeugt.

Es gibt wenige Bilderbücher, die auf vielen Ebenen funktionieren. Entweder gefallen sie sehr kleinen Kindern und sind sehr leicht auf simpler Ebene zugänglich, oder sie haben einen philosophischen oder humorvollen Ton, der erst in späteren Jahren wirklich ankommt. Und dann wiederum gibt es Bücher, die die Erwachsenen besonders abholen und ihnen etwas zum Nachdenken geben.


Ein Buch, dass all diese Ebenen miteinander verbinden mag, ist sehr selten. Und meist werden diese zu Geheimtipps und besonders beliebten Geschenken.
Seesucht gelingt meiner Meinung nach dieses Kunststück. Es erzählt auf vorderster Ebene von einem kleinen Jungen, der sich ins Meer verliebt und für immer dort bleibt und immer lustigere Meeresfahrzeuge baut. Auf zweiter Ebene handelt dieses Buch vom Scheitern, von Kreativität und dem Mut, der eigenen Idee treu zu bleiben. Doch da gibt es auch noch den Massenfischfang, die Umweltverschmutzung und die drohende Klimakatastrophe, die man erst entdeckt, wenn man die Bilder sehr aufmerksam betrachtet.


So hatte ich genauso viel Spaß, das Buch mit meinem kleinen Neffen zu lesen wie mit meiner umweltaktivistischen Grundschülerin. Beide konnten den kleinen Jonas verstehen und sofort ins Herz schließen. Und ich bin bei jedem Lesen erneut erstaunt, wie viel Geschichte in so wenig Test und Bildern liegen kann.

Seesucht ist eine kleine Perle.

Eure Mareike


Marlies van der Wel – Seesucht
Übersetzt von Birgit Erdmann
Verlag: Mixtvision
Gebunden, 78 Seiten