Schwesternliebe, Feminismusanleitung, Bock-Haben

Schwesternliebe, Feminismusanleitung, Bock-Haben

Wieder ein Monat in Corona-Zeiten beendet und damit auch wieder einige Bücher gelesen. Ich lese nach wie vor viel und ich weiß aktuell gar nicht, bei welcher Rezension ich am besten beginne. Doch seit diesem Monat bin ich wieder aus der Kurzarbeit raus und befürchte, dass sich dies wieder stärker auf meine Lese- und Schreibaktivität auswirken wird. Auf Instagram ist das bereits zu merken. Ich habe wenig gepostet. Doch jetzt habe ich Urlaub und ich bereite noch ein paar Besprechungen vor, damit es hier nicht langweilig wird.

ELISABETH HARROWER – DIE TRÄUME DER ANDEREN

Ein wiederentdeckter australischer Erfolgsroman aus den 60er Jahren von einer hierzulande fast unbekannten Autorin: Die Träume der Anderen erzählt von zwei Schwestern, die schon früh auf sich allein gestellt sind und in den 30er und 40er Jahren einen Weg suchen, ein selbstbestimmtes aber vor allem sicheres Leben zu führen. Die ältere Schwester Laura heiratet ihren wesentlich älteren Chef, um der jüngeren eine längere Schulzeit zu ermöglichen und begibt sich damit in eine toxische, ja zerstörerische Ehe. Mit den Jahren wird Clare, die jüngere, immer selbstbewusster und sehnt sich nach einem eigenen Leben abseits dieser Familie, in der alles von den Launen des Mannes abhängt. Brutal und für die damalige Zeit sehr offen erzählt Elisabeth Harrower von der Abhängigkeit von Ehefrauen und der Ausweglosigkeit durch schlechtbezahlte Stellen und die rechtliche Grundsituation. Ein düsterer, bedrückender Roman, der einem vor Augen führt, dass sich doch einiges in den letzten Jahrzehnten getan hat.

Das Buch beim Verlag

MARTA BREEN – HOW TO BE A FEMINST

Dass aber noch mehr als genug zu tun ist bis wir wirklich von einer gleichberechtigten und gerechten Gesellschaft sprechen können, sollte jedem spätestens nach der Lektüre von Marta Breens Einsteiger-Feminismusbuch klar sein. In knappen und klaren Kapiteln erzählt sie, wie moderner Feminismus ihrer Meinung nach gestaltet sein sollte (Spoiler: Wie auch Vorwortschreiberin Teresa Bücker bin ich nicht mit all ihren Thesen einverstanden). Dieser Buch ist eine Aufforderung, wie man aktiv gelebten Feminismus gestalten kann, wie man seinen eigenen Weg darin findet, auf Ungerechtigkeiten hinzuweisen. Die Kapitel heißen: Nennt euch Feminist*Innen oder Zeigt Schwesternsolidarität oder Seid farbenblind!
Wer sich noch nicht intensiver mit dem Thema befasst hat, findet hier einen guten ersten Einstieg und viele gute Verweise auf weiterführende Literatur. Ich persönlich habe nicht viel Neues aus dem Buch mitnehmen können, das liegt aber an meiner bisherigen Beschäftigung mit dem Thema.

Das Buch beim Verlag

KATJA LEWINA – SIE HAT BOCK

Alles andere als Basic sind die Themen, die Journalistin Katja Levina in ihrer Kolumnensammlung (“Untenrum”) anreißt. Von allerlei Körperflüssigkeiten, dem Brechen von Tabus, Polyamorie bis hin zur Vergewaltigung ist das Spektrum ihrer Themen breit und kompromisslos. Sie lebt ihre Bedürfnisse frei aus und nimmt beim Schreiben darüber kein Blatt vor den Mund. Mir hat sich teilweise eine neue Welt abseits von gängigen Lebensentwürfen eröffnet – die ich ehrlicherweise auch nach der Lektüre ihrer Kolumnen nicht vollständig nachvollziehen kann. Doch was ich mitnehme ist: Lebe dein Leben nach deinen Vorstellungen und du wirst eine Form von Freiheit und innerer Ruhe finden, die du kaum für möglich gehalten hast.
Wer durchaus mal derbere Texte und schonungslose Offenheit mag, der wird viel Spaß an diesem Buch haben. Der Stil von Katja Levina ist pointiert und entwaffnend, dass ich das Buch mit großer Faszination gelesen habe.

Das Buch beim Verlag

Eure Mareike