[Rezension] Agatha Christie – Mord im Orientexpress

Agatha Christie zählt eindeutig zu den ganz Großen, wenn es um Kriminalromane geht. Bei ihr stehen immer die klassische Detektivarbeit und das möglichst kluge Lösen der (Mord-)Fälle im Vordergrund. Neben Miss Marple zählt auch Hercule Poirot zu ihren großen Ermittlern. Der belgische Meisterdetektiv hat auch in “Mord im Orientexpress” die Hauptrolle. Die Idee zu diesem Buch kam der Autorin während ihrer eigenen Reise mit dem Orientexpress. Auf einer Reise aus dem Irak zurück nach England blieb der Zug im Schnee stecken – und inspirierte sie damit zu diesem Roman. Denn auch Hercule Poirot und seine Mitreisenden bleiben in einer Schneewehe stecken. Als dann ein seltsamer Mord passiert, muss der Detektiv den Fall allein mit seinem Verstand lösen.

[lightgrey_box]Hercule Poirot muss dringend von Syrien nach London zurückreisen und hofft, dies auf die angenehmste Art und Weise im Orientexpress tun zu können. Doch die Nacht wird unruhig: Die Abteiltüren klappen, jemand schreit auf, und schließlich bleibt der Zug in einer Schneewehe stecken. Als dann der Millionär aus dem Nachbarabteil erstochen aufgefunden wird, gerät Hercule Poirot in Fahrt – nur ein Mitreisender kann der Mörder gewesen sein. Und sind wirklich alle Passagiere diejenigen, für die sie sich ausgeben?[/lightgrey_box]

 

Das Großartige an den Fällen, die Agatha Christie ihre Figuren lösen lässt, ist, dass der Leser immer am miträtseln ist. Man kann wirklich nicht dagegen tun, man fängt einfach an, eigene Schlüsse zu ziehen! Ein großer Teil des Romans sind Zeugenaussagen und Gespräche Poirots über den eventuellen Hergang der Tat. Dadurch ist es hier sehr einfach, als Leser einfach “mitzumachen”. Doch auch wenn man immer wieder das Gefühl hat, jetzt auf die richtige Lösung gekommen zu sein, am Ende ist es doch ganz anders und man tappte die ganze Zeit im Dunkeln. Es gelingt der Autorin, die Spannung bis zum Ende aufrecht zu erhalten. Dadurch war das Buch für mich ein regelrechtes “Flutschbuch”. Besonders fand ich dabei, dass die Autorin fast ohne Blut auskommt. Ganz anders als in vielen anderen Krimis, nimmt die Beschreibung des Toten nur ein paar Zeilen in Anspruch und ist erschreckend nüchtern. Stattdessen steht immer die Denkarbeit Poirots im Vordergrund.

Herausragend sind auch die Figuren des Romans. Christie ist es gelungen, vollkommen unterschiedliche Charaktere zu zeichnen. Besonders hat mir dabei gefallen, dass jede Figur einen besonderen Charakterzug hat, welcher die Aufmerksamkeit Poirots und so auch die des Lesers auf sich zieht. Diese wirken aber eher verwirrend, als dass sie zur Lösung des Falles beitragen…ganz, ganz großartig! Man ist immer versucht, sich dadurch auf die falsche Fährte führen zu lassen. Bis ein neues Detail ans Licht kommt und alles wieder von vorne beginnt…

Fazit: Der Roman hat seinen Kultstatus eindeutig verdient. Der endgültige Tathergang ist feinsinnig aufgebaut, der Weg zur Lösung herrlich verschachtelt, sodass es bis zum Schluss rätselhaft bleibt. Gleichzeitig lässt Agatha Christie eine wundervoll leichte Art von Humor einfließen und fesselt ihre Leser an die Geschichte. Bisher kannte ich nur diverse Verfilmungen, aber jetzt werde ich eindeutig nach ihren anderen Romanen Ausschau halten. Immerhin gibt es über 60, da werde ich schon noch den einen oder anderen entdecken.


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Und wenn nächste Woche im Atlantik-Verlag Neuauflagen der Romane erscheinen wird auch ein weiteres Exemplar dieses Romans (das dritte?) ein neues Zuhause bei mir finden.

Eure Maike