Philosophinnen

Philosophinnen

Wenn ich an an die Philosophie denke, denke ich zunächst an antike Gelehrte, an Männer, die in weißen Togen lange Gänge entlangwandeln. Denke ich an Intellektuelle aus den 1960ern, die über Krieg und Moral diskutieren, während sie ihre Pfeife neu stopfen. Woran ich nicht denke, sind Frauen, die in Gruppen zusammensitzen und ähnliches tun. Geht es euch da ähnlich?

Das Bild, das ich von Philosophie habe, ist sehr einseitig und – zugegeben – nicht sehr tiefgehend. Das änderte sich, als ich das Buch von Rebecca Buxton und Lisa Whiting entdeckte. Ihre kurze, prägnante Übersicht – eher Auswahl – von Philosophinnen der letzten 2.500 Jahre zeigt, dass hier noch enormer Nachholbedarf herrscht und ein solches Buch eigentlich nur an der Oberfläche kratzen kann.

Dass es eigentlich schockierend ist, dass es nicht mehr solcher Titel wie diesen hier gibt, und dies längst überfällig ist, brauche ich wohl nicht näher ausführen. Ich hätte es mir während meines Studiums gewünscht. Hätte mir mehr Reflexion und Exkurse abseits der gängigen Pfade gewünscht. Dieses Buch macht einen Anfang. Es bietet einen Einblick auf populärer Ebene – niedrigschwellig und leicht zugänglich. Das finde ich fast noch wichtiger als mehrbändige Abhandlungen, die in die Tiefe gehen.

Was man hier findet:
In kurzen Aufsätzen, jeweils von amerikanischen Dozentinnen und Professorinnen verfasst, wird je eine markante Philosophin, ihr Leben und ihr zentrales Wirken vorgestellt. Snackable, übersichtlich und teilweise unterhaltsam wird ihr Wirken in den historischen Kontext eingeordnet und auf weiterführende Literatur verwiesen. Jeder Text ein eigenständiger Aufsatz, dahinter je eine Quellen- und weiterführende Literaturliste.
Ich mag das Konzept. Es gibt einem das Gefühl, einen guten Startpunkt zu haben, um sich tiefer in einen Themenkomplex einfinden zu können.

Das Konzept hat auch eine Schwachstelle: Wenn jeder Aufsatz für sich steht, gehen einzelne Querverbindungen zwischen den Philosophinnen verloren. Man nimmt nicht später wieder Bezug auf Vordenkerinnen oder bereits Gesagtes. So bleibt jede vorgestellte Person ein wenig verbindungslos. Das finde ich aber gerade hier ein wenig schade. Wie hat eine Sappho eine Iris Murdock beeinflusst? Wo werden Denkrichtungen wieder aufgenommen?
All sowas kann dieses Buch nicht leisten. Doch es ist ein schöner erster Einblick und jedes Kapitel lässt sich gut für sich selbst lesen. Tiefer eintauchen kann man danach. Hier werden einem aber die Sprungbretter gezeigt, die man wählen kann.

Für meinen Geschmack hätten ruhig noch 20 weitere Frauen vorgestellt werden können. Die Exkurse in afrikanische und asiatische Philosophie bieten sicherlich noch mehr spannende Persönlichkeiten. Meine Hoffnung bleibt auf einen zweiten Teil.

Eure Mareike


Rebecca Buxton & Lisa Whiting (Hg.) – Philosophinnen
Übersetzung: Roberta Schneider, Daniel Beskos & Nefeli Kavouras
Verlag: Mairisch Verlag
Gebunden, 240 Seiten