Nell Leyshon – Der Wald

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Ihr Roman “Die Farbe von Milch” hat im vergangenen Jahr für eines Aufsehen gesorgt. Mir war Nell Leyshon davor nicht bekannt, doch die Dramatikerin und Autorin hat in den vergangenen Zwanzig Jahren etliche Romane und Theaterstücke geschrieben. Doch erst mit dem großen Erfolg von “Die Farbe von Milch” wurde sie vom Eisele Verlag für den deutschen Markt übersetzt.

“Der Wald” ist nun ihr zweiter Roman in deutscher Sprache und auch wenn mich das Cover zunächst abschreckte, war ich sehr neugierig auf diesen Roman. Ja, das Cover steht in ästhetischer Verbindung zu “Die Farbe von Milch”, doch finde ich die Farbwahl von Flieder auf Fleischfarben doch eher gewöhnungsbedürftig. Besonders jetzt in der Rückschau nach der Lektüre, empfinde ich das Cover vollkommen unpassend.
Dabei ist die Geschichte stark, fesselnd und eindeutig aus der Feder einer routinierten Schriftstellerin mit Gespür für ausgewogene Komplositionen.

Das wird einem bereits beim Inhaltsverzeichnis klar. Der Aufbau des Buches ist bereits ein kleines Kunstwerk für sich. Ich dachte zunächst, es wäre ein kleines Gedicht. So sieht es aus:


Ein Löffel, ein Teppich, eine Fensterscheibe… jedes Kapitel beginnt mit dem jeweiligen Gegenstand. Leyshon bindet ihn elegant und zu beginn beiläufig in die Handlung mit ein. Doch lädt sie sie im ersten Teil mit Bedeutung auf, die im dritten Teil dann gezielt aufgegriffen wird.


Abschließend kann ich sagen, dass “Der Wald” ein guter Roman über die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, über eine Mutter-Sohn-Beziehung und über gesellschaftliche Erwartungen ist. Was ihn zu einem hervorragenden Buch und einem in sich wohlkomponierten Kunstwerk macht, ist die elegant durchdachte Struktur, der dadurch angedeutete Kreislauf mit der Zäsur durch den Wald. Die strukturelle Hervorhebung des Waldes durch seine ganz andere Kapitelbenennung, die fast zeitlos wirkenden Waldepisoden stehen im Kontrast zu dem Teil davor und danach und doch hat der Wald beide, Mutter wie Sohn, für immer tief geprägt. Sie erst richtig zu dem gemacht, was sie in den folgenden Jahren sein würden. All das liegt in der genauen, ausgewogenen Komposition und das hebt diesen Roman über die bloße Unterhaltung.

Eure Mareike


Nell Leyshon – Der Wald
Aus dem Englischen von Wibke Kuhn
Verlag: Eisele
Gebunden, 336 Seiten

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3 Comments

  1. Mikka Gottstein says:

    Hallo,

    das erinnert mich daran, dass ich “Die Farbe von Milch” immer noch nicht gelesen habe, obwohl ich es eigentlich schon lange vorhabe… Hoppla!

    Das Cover ist ungewöhnlich, spricht mich aber irgendwie an. (Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich im Moment selber gerne Tiere und Natur zeichne.) Ich hätte das jetzt gar nicht als Flieder auf Fleischfarben gesehen, für mich wirkt es eher wie Blau auf Orange – aber Farbwahrnehmung ist ja sehr unterschiedlich. ;-)

    Das Inhaltsverzeichnis allein überzeugt mich eigentlich schon davon, dass ich das Buch lesen muss!

    Schöne Rezension!

    LG,
    Mikka
    [ Mikka liest von A bis Z ]

    P.S.: Du hast da ein Verschreibsel drin: “Ihr Roman “Die Farbe von Milch” hat im vergangenen Jahr für eines Aufsehen gesorgt. “

  2. Ponyo says:

    Wow – so ein wunderschönes Buch. Ich freue mich schon darauf, es zu lesen.
    Kommt es deiner Meinung nach an “die Farbe der Milch” ran?
    Der Schreibstil dort hat mir so unglaublich gut gefallen, einfach, kindlich, unschuldig.

    1. Mareike says:

      Hey,
      leider habe ich “Die Farbe von Milch” noch nicht gelesen, deshalb kann ich keinen Vergleich ziehen.

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