Natasha Brown – Zusammenkunft

Natasha Brown – Zusammenkunft

Dieser Roman ist Zündstoff: Auf wenigen Seiten erzählt Natasha Brown, was es heißt, als Schwarze Frau heute in London zu leben und nach oben zu kommen. Als Tochter jamaikanischer Einwanderer hat sich die namenlose Hauptfigur bis in die britische Upper-Class hochgearbeitet. Die Protagonistin kämpft sich bis zur völligen Verausgabung in ihrem Job im Londoner Bankenwesen auf eine Führungsposition. Und in diesem Moment zeigen sich alle Vorurteile des alten Empire in den Gesichtern ihrer Kolleg*innen. Natürlich muss sie sich hochgeschlafen haben, natürlich hat sie die Stelle nicht wegen ihrer Fähigkeiten, sondern um das Diversitätskonzept des Unternehmens zu erfüllen. Eine Schwarze macht sich gut in der Außendarstellung.

Diese Denkmuster trifft sie auch in der Familie ihres Freundes: Sie ist der rebellische Ausrutscher, der Versuch, die spießige Herkunft zu verschleiern und die eigene Familie zu schocken. Niemand nimmt die Partnerschaft wirklich ernst, denn der Junge will sich nur mal mit „was Exotischem“ austoben.

Bitter.

Dies ist keine Erfolgsgeschichte. Es ist zwar eine Aufstiegsgeschichte, doch keine, die glücklich macht. Keine, die erstrebenswert erscheint. Zu viele alte Denkmuster, Vorurteile und Grabenkämpfe schwächen die Protagonistin Tag für Tag. Es lässt ihren erworbenen Besitz, ihren Status und beruflichen Erfolg fad aussehen und als zu geringen Preis für das erscheinen, was sie jeden Tag dafür einstecken muss.

Natasha Brown gelingt es auf wenigen Seiten, sehr dicht und in knappen Szenen das Glücksversprechen aller Einwanderer zu entlarven: Beruflicher Erfolg, wirtschaftlicher Aufstieg ist für Einwandererkinder nicht automatisch ein Weg in ungetrübtes Glück. Fleiß und Ehrgeiz sind kein Garant für den sozialen Aufstieg. Zu tief sind Rassismus, Classismus und Ressentiments gegen Frauen in der westlichen Gesellschaft verankert.



Natasha Brown – Zusammenkunft
Übersetzt von Jackie Thomae
Verlag: Suhrkamp
Gebunden, 113 Seiten