Mrs Palfrey im Claremont

Mrs Palfrey im Claremont

Mrs Palfrey trifft an einem verregneten Sonntag im Januar im Hotel Claremont ein. Ein Hotel, günstig und doch mit einem gewissen Luxus ausgestattet, spricht es etliche ältere Herrschaften an. Hier wohnen sie, noch nicht bereit in ein Altenheim zu gehen und doch auch nicht mehr bereit, allein in einem eigenen Haus zu leben.

Mrs Palfrey hätte auch zu ihrer Tochter nach Schottland ziehen können, doch will sie sich ihre Eigenständigkeit nicht nehmen lassen. London ist das Abenteuer, vermutlich das letzte in ihrem Leben, das sie allein bewältigen will.

Dann trifft sie auf den jungen, mittellosen Schriftsteller Ludo, der in ihr eine Inspiration und sie in ihm eine willkommene Abwechslung in ihrem Leben sieht. Um den neugierigen Fragen der anderen Hotelbewohner*innen auszuweichen, gibt sie Ludo als ihren Enkel aus. Und damit beginnt ein Verwechselspiel und das letzte große Kapitel in Mrs Palfreys Leben.

Dieser Roman erzählt auf seine feine, scharfsinnige Art vom Altwerden und dem, was am Ende übrig bleibt. Von der Schwierigkeit, neue Freundschaften zu knüpfen, wenn man all die alten auf schmerzliche Weise verloren hat. Aber auch von der körperlichen Einschränkung, die mit alten, müden Knochen einher geht und wie das zuweilen langsamere Vorankommen von der Gesellschaft belächelt und ignoriert wird.

Ohne Groll und mit einer Leichtigkeit, die mich bei der Handlung überraschte, erzählt Elizabeth Taylor von einem Abschnitt unseres Lebens, mit dem wir uns lieber nicht auseinandersetzen wollen. Ich habe viel über mich selbst, aber auch über den gesellschaftlichen Umgang mit alten Menschen nachgedacht. Vor allem aber hat mich die Geschichte auf elegante Weise unterhalten. Der Schlagabtausch und die Art der bissigen Figurenbeschreibung hätte auch von einer Jane Austen sein können.

Eure Mareike


Elisabeth Tyler – Mrs Palfrey im Claymont
Übersetzt von Bettina Abarbanell
Verlag: Dörlemann
Gebunden, 256 Seiten