Megan Hunter – Die Harpyie

Megan Hunter – Die Harpyie

Die antike Sagenwelt ist voll mit kraftvollen, mysteriösen weiblichen Monstern und Wesen. Denke man nur an die Gorgonen, die Furien, die Sphinx oder die Sirenen. Sie alle spiegeln einen Aspekt des damaligen Weiblichkeitsbildes wieder. Von der Verlockung bis hin zur unbändigen Wut – sie alle verbindet einen Blutdurst und eine göttliche Macht, die wir uns heute fast nicht mehr vorstellen können. Nach Jahrhunderten des christlich-abendländisch geprägten Frauenbildes, das nur im Triptychon von Mutter, Heiliger und Hure seine Figuren erschuf, bietet der Blick auf die Antike plötzlich neue, unerwartete Vielfalt.

Die Harpyie ist eines der blutrünstigen, mächtigen Fabelwesen alter Zeiten, das nun – in modernem feministischen Kontext – eine neue Bedeutungsebene gewinnt. In dem Racheroman von Megan Hunter durchläuft die betrogene Ehefrau Lucy eine Metamorphose zur neuen, wilderen Form ihrer Selbst.

Lucy erfährt vom Betrug ihres Mannes durch den Ehemann der Affäre. Nach einer kurzen Phase des Schocks erwacht etwas anderes in ihr: Ein Durst nach Rache und Demütigung, die sich wie spitze Krallen nach und nach in ihr Herz und schließlich in ihre eh schon marode Beziehung stoßen.
Ihr reumütiger Mann Jake lässt sich auf einen Pakt ein: Dreimal darf sie ihn bestrafen – wann und auf welche Weise bestimmt allein Lucy.
Es beginnt vermeintlich harmlos, doch steigert sich ihr Rachedurst in kurzer Zeit Richtung eines dunklen Endes hin.

Ich muss zugeben, dass mich der letzte Teil leider nicht restlos überzeugen konnte. Hier verliert sich der sonst so gut komponierte Handlungsfaden etwas und lässt die falschen Fragen offen. Ansonsten handelt es sich hierbei um eine spannende Mischung aus Eheroman, Thriller und dunklem Märchen.

Eure Mareike


Megan Hunter – Die Harpyie
Aus dem Englischen von Ebba D. Drolshagen
Verlag: C.H.Beck
Gebunden, 230 Seiten