Margarita Liberaki – Drei Sommer

Margarita Liberaki – Drei Sommer

Alles beginnt mit einer Anekdote über die Großmutter, die einst ihre Tochter und die Familie allein lies, um ihrem Herzen zu folgen. Zu reisen, frei zu lieben und zu leben. Unter dieser Geschichte wachsen nun drei Mädchen auf, mal sehen sie die Geschichte der Großmutter als Warnung, als Schreckgespenst, mal als Verheißung auf ein größeres, vielfältigeres Leben.

Doch alle drei spüren, dass die Zeit gekommen ist, um einen Lebensweg einzuschlagen. In den heißen griechischen Sommern entdecken die drei unterschiedlichen jungen Frauen den Kern dessen, was für sie Partnerschaft und Liebe ausmacht. Die erste Schwester beschließt im ersten Sommer einen Jugendfreund zu heiraten – eine solide Ehe auf gewohntem Terrain, das Haus direkt Tür an Tür mit ihrer Familie.

Dieser Roman ist 1945 in Griechenland erschienen und erzählt die Geschichte von drei Schwestern, die innerhalb von drei Sommern erwachsen werden und ihre Lebenswege wählen. Soweit so harmlos. Eine Art Roman, die sich auch heute noch als Sommerschmöker jedes Jahr erscheint. Doch ist dieses Buch seiner Zeit voraus. Die Nebenfiguren sind spannend und alles andere als üblich. Sei es die Mutter, die den Vater wegen seiner träumerischen Art vom Hof gejagt hat. Sie zieht die Mädchen allein groß, doch haben die drei trotzdem noch Kontakt zu ihm. Gleichzeitig um gibt die Mutter ein Geheimnis. Die Geschichten über die polnische, damals fortgegangene Großmutter sind faszinierend und überraschend. Die Männer spielen keine allzu große Rolle. Die beiden älteren Schwester sind unterschiedlich, doch beide auf ihre Art sehr leidenschaftlich und willenstark. Zwar sehnen sich beide und auch die jüngste, Katharina, nach der großen Liebe, doch nur zu ihren eigenen Bedingungen. Besonders die Entwicklung von Katharina wird im letzten Drittel (also im dritten Sommer) überraschend modern und überraschend.

Ein Roman, der in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts erschien, hat für mich erst einmal einen düsteren Beigeschmack. Ich erwarte Exilliteratur und etwas kriegsthematisches. Doch tatsächlich habe ich selten einen solch idyllischen, in warmen Farben, sonnensatten Erzählton erlebt. Margarita Liberaki scheint bewusst ein harmloses, abgelegenes und aus der Zeit gefallenes Fleckchen Land beschreiben zu wollen. Sie erzählt die idyllische Heimat von drei jungen Mädchen, kurz vor dem Erwachsensein in einem Dorf voller Olivenhaine und wilden Walderdbeeren. Wenige Männer scheinen vorzukommen – ob der Krieg der Grund dafür ist? Es bleibt unklar.
Ich kann sagen: der Sound hat mir enorm gut gefallen. Das Buch liest sich modern, nur leicht kitschig, aber herrlich sommerlich und für seine Zeit nahezu skandalös. Ich bin froh, dass weibliche Stimmen aus allen Epochen nach und nach wiederentdeckt werden und so zeigen, dass bereits in den 40ern kluge Frauen zeitlose Literatur erschaffen haben.

Eure Mareike


Margarita Liberaki – Drei Sommer
Aus dem Griechischen von Patrizia Prinzinger
Verlag: Arche
Gebunden, 388 Seiten