Margarete Stokowski – Die letzten Tage des Patriachats

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Die grandiose Margarete Stokowski hat ein neues Buch herausgebracht. Bei uns ein guter Grund zum Feiern. Wir beide haben ihr erstes Buch mit dem Titel “Untenrum frei” mit sehr viel Vergnügen gelesen und uns in Vielem wiederfinden können. Man merkte an etlichen Stellen, dass die Autorin aus dem selben Jahrgang stammt wie wir. Die Dinge, die sie in ihrer Kindheit und Jugend geprägt haben, decken sich fast komplett mit unseren. 

Da war natürlich klar, dass auch ihr neues Buch gelesen werden muss. Während sich ihr erstes Buch verstärkt um ihre eigene Jugend und ihren Weg zum Feminismus dreht, ist ihr zweites Buch eine Sammlung ihrer bisher erschienenen Kolumnen.

Von den ersten Kolumnen in der taz und später im Spiegel hat Margarete Stokowski eine Auswahl getroffen. Die Kolumnen sind nur grob chronologisch. Im Fokus steht pro Abschnitt ein bestimmtes Oberthema, zu dem sie sich in den vergangenen Jahren wiederholt geäußert hat oder das verschiedene Teilaspekte davon beleuchtet. 

So geht es natürlich auch wieder um Feminismus, doch nicht nur. Es geht auch um Politik, Medienkritik und Rassismus. Aber immer schwingt natürlich ihr Grundthema nach der Gleichstellung der Geschlechter mit durch. 
Besonders spannend lesen sich die Kommentare oder Einleitungen, die sie regelmäßig den einzelnen Kolumnen voranstellt. Oft sind die Texte ja in einem bestimmten zeitgeschichtlichen Kontext erschienen, nehmen teilweise Bezug auf andere Kolumnen oder bestimmte politische Entscheidungen oder Ereignisse, die uns nicht mehr so präsent sind.

Die Tatsache, dass man anhand dieses Buches noch einmal das politische und mediale Zeitgeschehen der letzten paar Jahre Revue passieren lassen kann, hat die Lektüre für mich noch spannender gemacht. Kolumnen erscheinen immer sehr tagesaktuell und beziehen sich auf konkrete Ereignisse, und doch spiegeln sie auch einen größeren Diskurs wieder. 

In der täglichen Nachrichtenflut nimmt man meist nur das Negative wahr, die Missstände und neusten Skandale. Mit dem Abstand, den dieses Buch und Stokowskis Kommentare und Ergänzungen ermöglichen, sieht man Entwicklungen und auch Verbesserungen, die einem im Alltag oft entgehen. 

Doch darüber hinaus ist dieses Buch vor allem eins: wahnsinnig lustig. Ich lag damit im Urlaub am Pool und musste sehr oft über die scharfsinnigen Beobachtungen und spitzen Bemerkungen von Margarete Stokowski lachen. Ich liebe ihren Humor einfach sehr. Deshalb bin ich froh, nun eine so fundierte Sammlung ihrer Kolumnen in gedruckter, kuratierter Form im Regal stehen zu haben. 
Denn tatsächlich verlieren sie im Kern nicht ihre Aktualität und genau das macht guten Journalismus und gute Texte einfach aus: Sie können für sich stehen und immer wieder von neuem zum Nachdenken anregen. 

Eure Mareike


Margarete Stokowski – Die letzten Tage des Patriachats
Verlag: Rowohlt
Gebunden, 320 Seiten


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