Mackenzi Lee – Kick-Ass Women

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Kick Ass Women Buch über außergewöhnliche Frauen in der Geschichte

Vorweg ein kleines Geständnis. Als ich von Suhrkamp neulich ein Paket mit mehreren feministischen und empowernden Büchern erhielt, dachte ich bei dem Titel “Kick-Ass Women. 52 wahre Heldinnen”: “Bitte nicht noch ein Abklatsch von ‘Good Night Stories For Rebel Girls’!”

Denn in den letzten Monaten sind ziemlich viele Titel herausgekommen, die in eine ähnliche Kerbe geschlagen haben. Das ist natürlich erst einmal nicht falsch. Aber wenn man einfach immer nur schlechte Kopien auf den Markt rotzt, ist wohl keinem geholfen und die Grundidee wird dadurch auch verwässert.

Mit Sohn auf dem Rücken in die Schlacht reiten? Klar!

Umso besser, dass mich “Kick-Ass Women” nicht nur positiv überraschte, sondern regelrecht umgehauen hat! Entstanden ist dieses Buch nämlich schon eine ganze Weile vor dem oben genannten Hype – als Twitter-Projekt der Jugendbuchautorin Mackenzi Lee. Jede Woche hat sie ein Jahr lang eine ungewöhnliche, von der Geschichte regelrecht vergessene Badass-Frau vorgestellt.

Dabei sind 52 sehr unterhaltsame, lehrreiche, diverse und überraschende Kurzbiografien entstanden, die nun in hübscher Illustration als Buch erschienen sind.

Im Gegensatz zu den 100 Frauen in “Good Night Stories For Rebel Girls” kannte ich hier vielleicht drei oder vier der vorgestellten Frauen. Das lag vor allem daran, dass Mackenzi Lee bewusst nicht eurozentristisch und nicht nur einwandfrei gute Frauen vorgestellt hat.
Bestes Beispiel ist wohl Zheng Yisao, die chinesische Piratin, die Blackbeard und Francis Drake wie kleine Fische im Piratenbusiness aussehen ließ. Warum kennen wir die erfolgreichste Piratin aller Zeiten nicht? Nicht mal ansatzweise habe ich bisher von ihr gehört. Dabei hat sie selbst die britische und die portugiesische Marine zerschlagen. Weil sich bei uns das Bild hält, dass Piraten an Bord keine Frauen duldeten? Weil wir Erfolg von Frauen nur goutieren, wenn sie moralisch einwandfrei sind?

Die Geschichten in diesem Buch legen diesen Schluss nah. Mit viel Sachverstand und humorvollem Zynismus zeigt jede einzelne dieser Biographien auf wenigen Seiten, dass es schon immer Auflehnung gegen das Patriarchat gab. Und dass es schon immer Frauen gab, die sich nicht mit denen ihnen vorgeschriebenen Rollen abfinden wollten.

Was dieses Buch aber auch zeigt: Die männliche Geschichtsschreibung war verdammt gründlich darin, jede dieser außergewöhnliche Frauenfiguren unsichtbar zu machen oder zu marginalisieren.
Das klingt jetzt vielleicht nach erhobenen Zeigefinger und “überkorrekt”, doch ist das Gegenteil der Fall: Jede einzelne Geschichte ist verdammt lustig, etwas schräg und lässig-rotzig erzählt.

Wer also Lust hat, 52 überwiegend farbige, non-binäre, bisexuelle Rebellinnen kennenzulernen, sollte sich auf das Abenteuer einlassen. Ich habe es keine Sekunde bereut.

Eure Mareike


Mackenzi Lee – Kick Ass Women. 52 wahre Heldinnen
Mit Illustrationen von Petra Eriksson. Aus dem Englischen von Jenny Merling
Verlag: Suhrkamp Nova
Gebunden, 174 Seiten

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1 Comments

  1. Chrissi says:

    Oh was für eine tolle Entdeckung.
    Mir gefallen die Bilder sehr und dass es ein paar Sätze mehr zu sein scheinen. Ich weiß dass die Good Night Stories für Kinder/Jugendliche gedacht sind, aber mir sind die Biografien insgesamt doch ein wenig zu kurz ausgefallen.

    Vielen Dank für die Empfehlung!
    Chrissi

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