Longlistlesen: Monika Helfer – Vati

Longlistlesen: Monika Helfer – Vati

Rezension – Longlist des Deutschen Buchpreises 2021

Schon lange liegt bei mir “Die Bagage” von Monika Helfer auf dem Stapel ungelesener Bücher. Ich habe viel Gutes über ihre autobiographisch geprägte Beschreibung ihrer Familie mütterlicherseits gehört. In diesem Roman nun widmet sie sich ihrer anderen Familienhälfte, genauer gesagt ihrem Vater. Sie erzählt von seiner Leidenschaft für Bücher und wie er sich selbst sein Wissen erkämpfen und immer wieder durch Tricks die Bücher in seinem Leben halten konnte. Natürlich geht es auch darum, wie sie selbst durch diese Leidenschaft geprägt wurde und welchen Einfluss diese auf ihren Weg zur Schriftstellerin hatte.

In prägnanter, sehr klassisch erzählender Weise erschafft dieses schmale Büchlein ein Bild von einem Mann, der sich seinen Zugang zur Literatur abseits der gängigen Wege erarbeiten musste. Der einen völlig eigenen, sehr emotionalen Zugang zum Medium Buch und zur Literatur hatte. Mit vielen Anekdoten, mal nah an der Person, mal aus zweiter Hand und nicht ganz sicher, mal als die junge bewundernde Tochter, mal als die nachlassordnende nachsichtige Schriftstellerin nähert man sich mit der Figur des Herrn Helfers auch der Nachkriegsgeneration an sich. Man sieht die Spuren, die der Krieg hinterlassen hat und wie diese Generation Liebe auf andere Weise zeigt als mit Worten.

Der Blick von Monika Helfer ist voller Zuneigung auf ihre Erinnerungen an ihren Vater, voller Nachsicht und Verständnis für einen Mann, der so schweigsam war und seine Tochter doch so tief geprägt hat.

Würde ich vor der Lektüre von “Vati” den Roman “Die Bagage” empfehlen? Ja! Zwar ist dieser schmale Band auch so in sich verständlich, doch hat man das Gefühl, dass einem an ein paar Stellen Informationen fehlen.

Eure Mareike


Monika Helfer – Vati
Verlag: Hanser
Gebunden, 176 Seiten