Liv Strømquist – Feminismus und schräger Humor

Liv Strømquist – Feminismus und schräger Humor

In den letzten Monaten habe ich immer wieder versucht, auch feministische Sachbücher und Artikel in meine Leseroutine einzubauen. Das Thema treibt mich zwar schon seit Jahren um, doch hat sich bei mir der Wunsch verstärkt, mich intensiver mit den Theorien und den aktuellen Debatten rund um den Themenkomplex einzusteigen. Und je mehr ich las, stellte ich fest: Die führenden Stimmen in der Feminismusdebatte sind verdammt lustig und kreativ!

Ein Beispiel möchte ich euch heute vorstellen und ganz dringend ans Herz legen: Liv Strømquist.

Die schwedische Comizeichnerin ist studierte Politikwissenschaftlerin und bezieht ihre Referenzen für ihre Comics aus allem quer durch die europäische Kulturgeschichte. Von der Bibel über griechische Philosophen, englischen Romantikern bis hin zu Elvis und Leonardo DiCaprio springt sie wild durch die Jahrhunderte und erzählt von den Strukturen des Patriarchats und wie sie unser Denken und Handeln bestimmen.

Ich habe “I’m every woman” gelesen, das sich um den Mythos des männlichen Genies dreht. Es geht um Künstler, Philosophen und andere Denker- und Führungspersönlichkeiten der Geschichte und die dahinterstehenden Frauen. Sie führt diese Frauen aus dem Schatten der übergroßen Genies und zeigt, dass diese Männer gar nicht so perfekt und bewundernswert waren. Und dass ein Teil des Ruhmes eigentlich diesen Frauen zustand, die Geschichte (und die Männer) sie aber unsichtbar gemacht haben. Dabei geht sie stets humorvoll und entwaffnend direkt vor. Ihre Comics sind stets überraschend und etwas überdreht. Sie bedienen sich gängiger Muster, indem sie etwa auf Talkshows oder Gameshows anspielen. Ein sehr lustiger Anstoß, sich einmal näher mit den historischen Personen hinter den Geniekulten zu beschäftigen.

Popmusik und ihre toxischen Elemente werden entlarvt

Richtig verliebt habe ich mich dann aber erst bei “Ich fühl’s nicht”. Dieses Buch ist um einiges theoretischer, denn es lässt einige wichtige Soziolog*Innen und Philosoph*Innen zu Wort kommen. Anhand von popkulturellen Beispielen erklärt sie gängige Theorien über Liebe, Treue und Partnerschaft und wie sich diese im Laufe der Geschichte gewandelt haben.

Mit Collagetechniken und Referenzen zu den Schlümpfen bis SATC ist alles dabei

Kurz: Sie erklärt, warum Leonardo DiCaprio keine feste Beziehung führen kann. Es ist großartig! Ich habe so gelacht und mich und mein Umfeld an so vielen Stellen in diesen klugen Beobachtungen wiedergefunden. Sie erklärt anhand der Strukturen von Patriarchat und Kapitalismus, warum wir heute Beziehungen führen und fühlen(!) wie wir es tun. Ein richtiges Augenöffner-Buch. Und das als herrlich lustiger, abgedrehter und total bunter Comic. Ganz ehrlich, dieses Buch ist ein Jackpot auf so vielen Ebenen.

Können wir dieses Buch bitte zur Pflichtlektüre in der Schule machen? Danach denkt niemand mehr, dass Feminismus ein verhärmtes und unnötiges Thema sei. Nein, es umgibt und betrifft uns alle. Sogar in Form von Leonardo DiCaprio und seinem Liebesleben.

Eure Mareike


Liv Strömquist – I’m every Woman
Aus dem Schwedischen von Katharina Erben
Avant Verlag
Softcover, 112 Seiten, vierfarbig, ca. 20 Euro

Liv Strömquist – Ich fühl’s nicht
Aus dem Schwedischen von Katharina Erben
Avant Verlag
Softcover, 176 Seiten, vierfarbig, ca. 20 Euro