Liebe in Zeiten des Hasses – Florian Illies

Liebe in Zeiten des Hasses – Florian Illies

Was für eine Zeit! Eine Zeit voller ungewöhnlicher Lebenswege, freier Liebe bis an die Grenzen des Erträglichen. Zugleich ein enormer konservativer Backflash, der schließlich im Faschismus gipfelt. Die Zeit von 1929 bis 1939 war voller Widersprüche und die Personen, die diese Epoche prägten, lebten die Widersprüchlichkeit mit Stil.

Florian Illies hat einen ganz besonderen Stil, um die Fakten, Zitate und historischen Begebenheiten in einem romanhaften Kommentar zu beschreiben. Es ist, als folge man einem Reporter, der mehrere Schauplätze kommentiert und von einer Szene zur nächsten springt. Eben noch folgt man Brechts Eskapaden, um im nächsten Moment Leni Reifenstahls Filmset in Griechenland zu beobachten, ein kurzer Hinweis zu den Ausschweifungen der jüngeren Manns und dann ein kurzer Blick ins Leben von Henry Miller.
Charmant und pointiert ineinander verwoben und so dicht, dass man ein ganz neues Gefühl für die Zeit zwischen Exil, Krieg und ausufernden Parties bekommt.

Man möchte direkt Simone de Beauvoir lesen, Bilder von Otto Dix anschauen, Briefe von Erich Kästner an seine Mutter lesen oder in alten Marlene Dietrich-Filmen schwelgen und dabei daran denken, dass sie und Hemingway damals auf dem Schiff zurück nach Amerika beinahe wirklich verliebt gewesen sind.

Dieses Buch ist ein Schatz – nicht ohne ein gewisses Vorwissen zu genießen, denn dies wird vorausgesetzt. Aber für alle Interessierten der Exilliteratur ein großer Gewinn.


Florian Illies – Liebe in Zeiten des Hasses
Verlag: S.Fischer Verlag
Gebunden, 432 Seiten