Laila Lalami – Die Anderen

Laila Lalami – Die Anderen

Manchmal rauscht ein Buch. Man rauscht damit durch eine Geschichte fast so schnell wie durch einen Film. Man hört die Musik, sieht die Farben und meint das Fett in der Pfanne des Diners riechen zu können, den muffigen Schweißfußgeruch in der Bowlingbahn und den staubigen Sand der Straßen.

Das ist bei diesem Roman von Laila Lalami eindeutig so. Es rauscht. Man ist in der Geschichte tief drin. Teilweise aber ist man so tief drin, dass man das Gefühl hat, dass man nicht alles vollständig erfasst. Dass man etwas Wichtiges nicht direkt durchschaut. Dabei scheint der Fall klar zu sein: Noras Vater wird auf dem Heimweg, nachdem er sein geliebtes Diner abgeschlossen hat, von einem Auto erfasst und stirbt kurz darauf. Fahrerflucht in dem kleinen Örtchen in der kalifornischen Wüste. Nora reist also in ihre Heimat zurück und erkennt schnell einige Ungereimtheiten. Sie glaubt nicht an einen tragischen Unfall – dafür war ihr Vater zu vorsichtig, die Straße hell erleuchtet.
Gemeinsam mit ihrem alten Schulfreund Jeremy, der heute bei der Polizei ist, begibt sie sich selbst auf Recherche. Steckt vielleicht Rassismus hinter der Tat? Und was hat der lange schwelende Nachbarschaftsstreit mit dem Besitzer der Bowlingbahn mit dem Unfall zu tun?

Nora sieht Verbindungen und gerät immer tiefer in die eigene und die Vergangenheit ihres Vaters. Deckt Geheimnisse auf und öffnet alte Wunden wieder. Mit einer spannenden Mischung aus ruhigen Beobachtungen und kleinen Spannungsmomenten, die Fahrt in die Handlung bringen, folgt man Nora durch die Trauer und auch die Abgründe einer Kleinstadt.

Ja, dieses Buch rauscht, vielleicht rauschte es mir am Ende ein wenig zu schnell an mir vorbei und es ist nicht so viel hängengeblieben, wie ich mir wünschte. Doch hat es mich unterhalten, wie ein guter Film.

Eure Mareike


Laila Lalami – Die Anderen
Aus dem Englischen von Michaela Grabinger
Verlag: Kein und Aber
Gebunden, 432 Seiten