Kübra Gümüşay – Sprache und Sein

Kübra Gümüşay – Sprache und Sein

Das Buch “Sprache und Sein” ist eines der besten und wichtigsten Sachbücher über die Grenzen in unseren Köpfen, das ich in den letzten Jahren in den Händen halten durfte.
Deshalb habe ich recht lange gewartet, bis ich meine Besprechung dazu veröffentliche. Das Buch musste ich erst einmal sacken lassen. Ich musste schauen, was die Gedanken mit mir machen. Wie sie meinen Alltag verändern.
Und nach etwa zwei Monaten kann ich sagen: Ja, Kübra Gümüşays Erörterungen zu den Grenzen und Ausgrenzung durch Sprache haben sich nachhaltig auf mein Denken ausgewirkt.

In kurzen, sehr präzisen Kapiteln erzählt die Journalistin in einer außergewöhnlich wohlbalancierten Mischung aus eigenen Erfahrungen, wissenschaftlichen Forschungen und Beispielen aus aktuellem Zeitgeschehen, wie Sprache unser aller Denken formt und wie es ist, als Frau mit Kopftuch in der Gesellschaft wahrgenommen zu werden.

Sie nimmt einen mit in ihren Alltag, erzählt von den verschiedenen Spracherwerbsprozessen in ihrem Leben und wie unterschiedlich diese Sprachen konnotiert sind. Dabei beschreibt sie so kluge und entwaffnend offene Beobachtungen, dass sie sich mir tief ins Gedächtnis gebrannt haben.

Mit jedem ihrer angeschnittenen Themen wurde mir mehr bewusst, wie zutiefst ungerecht unsere Gesellschaft in der Wahrnehmung von Individuen ist und auch ich hier nicht frei von Fehlern bin. Umso wichtiger, sich das immer und immer wieder bewusst zu machen. Die eigenen Privilegien zu kennen und zu hinterfragen.

Kübra Gümüşays Buch erläutert dies in einer so klaren und eingängigen Weise, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Ich habe “Sprache und Sein” in wenigen Stunden durch gehabt und war fast enttäuscht, dass es schon vorbei war.

Deshalb hoffe ich jetzt einfach, dass diese kluge, wichtige Frau bald noch weitere Bücher plant. Denn ich bin mir sicher, dass ihre Texte etwas verändern können.

Eure Mareike


Kübra Gümüşay – Sprache und Sein
Verlag: Hanser Berlin
Gebunden, 207 Seiten