Kristen Roupenian – Cat Person

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Mit ihrer Kurzgeschichte “Cat Person”, die im New Yorker veröffentlicht wurde, gelang ihr eine kleine virale Sensation. Die Geschichte sorgte für medialen Wirbel und gilt als eine der meistgelesenen Stories aller Zeiten. Die namensgebende Geschichte ist für mich aber nicht mein Highlight ihres jetzt erschienenen Erzählbandes.

Im Grunde ist jede der Geschichten ein kleines Experiment, auf das man sich wieder vollkommen neu einlassen muss. Es gibt nur wenige Elemente und Themen, die immer wieder eine Rolle spielen: Beziehungen, Anziehungskraft, Macht, Feminismus könnte man grob als Oberbegriffe sehen, die in allen Geschichten in mal mehr, mal weniger starker Ausprägung vorkommen. Und doch wird man bei jeder Erzählung wieder völlig neu an die eigenen Grenzen gebracht.

Das beginnt mit der ersten Erzählung “Böser Junge” mit einer Geschichte über Freundschaft, die harmlos, völlig alltäglich beginnt und sich schließlich in einen mörderischen Sado-Maso-Alptraum steigert. Und das mit einer solchen Nonchalance, dass man sich nach dem letzten Satz fragt: Wie kommen wir denn plötzlich hier hin? Ist das tatsächlich passiert?
Die nächste Geschichte “Look at your game, girl” liest sich wie eine gruselige Geschichte, die man sich auf einer Pyjamaparty erzählt. Von einer Zwölfjährigen, die eine zunächst harmlose Begegnung mit einem Mann auf dem Spielplatz hat und dann kurz darauf von einem Mord an einem ähnlich aussehenden Mädchen hört.

Und so geht es weiter: Ein gruseliges Märchen, wie aus der Feder Edgar Allen Poes – nur mit einer ordentlichen Portion Feminismus über eine Prinzessin, die sich in Eimer, Spiegel und Knochen verliebt und daran fast zugrunde geht.
Dann folgt ein brutales, völlig außer Kontrolle geratenes Tinder-Date, ein Jungesellinnenabschied mit einem abgehalfterten Softpornodarsteller und eine Geburtstagsparty, die mit einer surrealen Verwandlung endet.
Sprich: Es gibt keine Genregrenzen. Von Horror über magischen Realismus bis hin zu Erotik ist so ziemlich alles dabei und wird mit einer Leichtigkeit bedient, dass man Kristen Roupenian nur einfach bewundern kann.
Dabei ist jede Geschichte modern, überraschend und stets auf den Punkt.

Ich habe seit Jahren keine so guten Erzählungen mehr gelesen. Was für eine krasse literarische Achterbahn!

Eure Mareike


Kristen Roupenian – Cat Person
Aus dem Englischen von Nella Beljan und Friederike Schilbach
Blumenbar Verlag
Gebunden, 288 Seiten

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