Kiran Millwood Hargrave – Der Winter des Bären

Kiran Millwood Hargrave – Der Winter des Bären

Der ewige Winter herrscht seit ein paar Jahren. Mila lebt mit ihren Geschwistern direkt im Eldbjorn-Wald, der seit Jahren keinen Frühling mehr gesehen hat und inzwischen kaum noch Nahrung für Mensch und Tier bereithält. Seitdem der Vater verschwunden ist, sind die vier Kinder auf sich allein gestellt. Als eines Tages auch noch Milas Bruder vom Bärenkönig entführt wird – wie all die anderen Jungen der umliegenden Dörfer, macht sich Mila auf eine gefährliche Reise, um sich dem Bärenkönig entgegen zustellen. Doch ist sie nicht allein auf ihren Weg: Ihre Schwestern und ein Zauberer, kaum älter als Mila, begleiten sie auf ihrer abenteuerlichen Reise. Sie begegnen verzauberten Bäumen, wilden Wölfen und dringen bis in eine magische, verschollen geglaubte Stadt vor.

Dieser Kinderroman, der sich eher wie ein sehr rasantes Wintermärchen liest als wie in klassisches Kinderbuch, hat alle Elemente, um ein zeitloser Klassiker zu werden. Die Geschichte enthält Wagemut, viel Magie und eine Heldenreise.
Besonders schön finde ich, dass es die jüngeren Geschwister sind, die nicht aufgeben und sich gegen alle Widerstände stellen. Ein wenig erinnerte mich die Konstellation von vier Geschwistern an die ersten Narnia-Bücher. Dort sind es ebenfalls vier Geschwister, die trotz der Verführung des Bösen (dort ist es die Eiskönigin, hier ein Bärenkönig) den ewigen Winter vertreiben müssen.

Neben den magisch-märchenhaften Elementen werden auch ernstere Themen verhandelt. Es geht um Abschiede und Neuanfänge. Der Verlust des Vaters und dessen enorme Trauer über den Tod der Mutter spielen genauso eine zentrale Rolle, wie die unterschiedliche Entwicklung der Geschwister. Die älteste Schwester hat sich verliebt und plant ihr Zuhause und ihre Kindheit hinter sich zu lassen. Der Bruder möchte als Vaterersatz alle Entscheidungen für die Familie treffen. Die Geschwister müssen ihre gemeinsame Stärke und den Zusammenhalt neu finden, um sich dem größeren Feind zu stellen.

Jedoch ist die Handlung schon recht simpel erzählt. Ein Buch für Kinder ab 10 Jahren. Die Figuren sind mir an einigen Stellen sehr schlicht dargestellt, die Lösungen kommen meist unmittelbar nachdem das Problem aufgetreten ist. Doch ist das für die Zielgruppe ideal, wenn man sich zum ersten Mal an einen etwas längeren Roman ohne Bilder heranwagt.

Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung geben wird und freue mich darauf, wenn mein Goldkind demnächst textsicher genug für einen solchen Roman ist. Es ist ein idealer Einstieg in die Welt von fantastischen Romanen wie Der kleine Hobbit, Der goldene Kompass oder Narnia.

Eure Mareike


Kiran Millwood Hargrave – Der Winter des Bären
Aus dem Englischen von Claudia Feldmann
Verlag: Insel
Gebunden, 255 Seiten