Kate Grenville – Ein Raum aus Blättern

Kate Grenville – Ein Raum aus Blättern

Unser Wissen über große historische Persönlichkeiten ist meist durch das begrenzt, was wir aus Briefen und anderen Dokumenten über sie wissen. Ob diese Dokumente bewusst von der Familie und der Person selbst gezielt ausgewählt worden sind, um ein bestimmtes Bild zu zeichnen oder eine vorherrschende Meinung zu untermauern, wissen wir hingegen nicht.

Noch interessanter wird es, wenn es um vermeintliche Nebenfiguren, der berühmten Persönlichkeiten geht, besonders Ehefrauen. Was wissen wir über die Frauen der Gründerväter Amerikas oder die Frauen wichtiger Wissenschaftler? In den meisten Fällen kaum mehr als ein altes Portrait, ein paar Eckdaten und wenige Briefe.
Selten erscheinen sie als mehr als bloße Randfiguren, blasse Schatten neben den schillernden Persönlichkeiten.
Der Roman „Ein Raum aus Blättern“ von Kate Grenville widmet sich einer dieser Frauen und zeigt auf geschickte Art und Weise, dass die unscheinbare Elisabeth Macarthur dem berüchtigten Wollbaron der Kolonialzeit Australiens weitaus mehr sein musste als eine stille Ehefrau und Mutter.

In Form einer fiktionalen Autobiographie berichtet Kate Grenville von einem zufälligen Fund einer alten Dose voll mit losen Kapiteln aus dem Leben von Elisabeth Macarthur.
Wir erfahren von der Kindheit auf einem Zuchthof für Schafe, ihrer Jugend in einem Pfarrhaus bis hin zu ihrer überstürzten Heirat mit dem brutalen und hinterhältigen John Macarthur. Doch genauso wie er hat sie Ehrgeiz und den Willen, das beste aus ihrem Leben zu machen. So bleibt sie an seiner Seite und beginnt ein Leben als eine der ersten Kolonist*innen Australiens. Umgeben von Sträflingen, die für ihre Familie wie auch für die der anderen Militärangestellten arbeiten, versuchen sie das raue Land urbar zu machen.

Durch ihr Wissen über Schafzucht gelingt ihr im Laufe der Jahre ein Coup: Gegen den Willen ihres Mannes züchtet sie Merinoschafe und begründet so den späteren Reichtum der Familie.
Natürlich basiert vieles in diesem Roman auf Fiktion. Doch sind hier einige spannende Fakten drin, die sich nicht leugnen lassen und ein ganz anderes Bild auf die Macarthurs werfen.
Dies ist sicherlich nur eines von unzähligen Beispielen: Doch genau durch solche Kniffe machen historische Romane Spaß! Indem der Blick sich ein Stück zur Seite bewegt, neue mögliche Interpretationen zulässt und deutlich macht: „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, die heimlich die Schaf-Farm leitet.“


Kate Grenville – Ein Raum aus Blättern
Übersetzung: Anne Emmert
Verlag: Nagel&Kimche
Gebunden, 368