Hannah Ross – Revolutions

Hannah Ross – Revolutions

Feminismus und Fahrradfahren sind so eng miteinander verwoben wie Tomaten und Mozzarella. Ja, man mag es kaum glauben, doch ist es tatsächlich so. Viele großartige Bewegungen, Frauenbiographien und Pionierinnen der Frauenrechtsbewegung hätte es ohne das Fahrrad nie gegeben.
Und warum diese beiden Bewegungen so eng miteinander verbunden waren und es bis heute sind, zeigt dieses sehr kluge Buch von Hannah Ross.

Sie beginnt mit einer sehr eindringlichen Anekdote über die erste historische Abstimmung in Cambridge, ob auch Frauen zu den Abschlussprüfungen zugelassen werden sollen. Eine große Menge männlicher Studenten aus ganz England haben sich an diesem Tag im Mai 1897 eingefunden, um das Ergebnis der Abstimmung zu erfahren. Bei sich haben sie eine große Strohfrau auf einem Fahrrad. Als klar ist, dass die Entscheidung gegen die Studentinnen ausfallen würde, wird diese symbolische Radfahrerin in Stücke gerissen.

Man fragt sich sofort, warum sie ausgerechnet auf einem Fahrrad sitzt, doch Hannah Ross gelingt es, diese Verbindung von mobiler Freiheit und dem Wunsch nach gesellschaftlicher Partizipation sehr gut nachzuzeichnen.
Das Buch ist reich an zahlreichen Fakten, Anekdoten, Querverweisen und Geschichten über Pionierinnen des Radsports. Unterhaltsam und sehr erzählend führt die Autorin durch die Geschichte des Fahrrads, seine Entwicklung zu einem erschwinglichen Gefährt der bürgerlichen Bewegung, mit dem auch große Distanzen mit wenig Mühe überwunden werden konnten, von den Anfängen bis in die Gegenwart.
Denn auch heute noch ist in einigen Regionen der Welt ein junges Mädchen auf einem Fahrrad ein Ausdruck von Rebellion. Fahrradfahren ist Selbstbestimmung. Man bewegt sich nur dank der eigenen Muskeln und recht unabhängig von Schienen und Straßen, im eigenen Tempo.
Kein Wunder also, dass es zu allen Zeiten für Frauen einem Befreiungsschlag gleichkommen musste, auf ein Fahrrad zu steigen. Wie eng diese Verbindung aber war und wie das Fahrrad tatsächlich eine wichtige Rolle im Kampf um das Wahlrecht spielte, das war mir nicht bewusst. Ich habe Erstaunliches aus diesem Buch gelernt und bin danach noch viel zufriedener auf mein eigenes Rad gestiegen. Jeden Tag eine kleine Revolution.


Hannah Ross – Revolutions. Wie Frauen auf dem Fahrrad die Welt veränderten
Übersetzt: Daniel Beskos
Verlag: Mairisch
Gebunden, 320 Seiten