Freundin bleibst du immer

Freundin bleibst du immer

Rezension

Es ist so eine Sache mit Büchern, die groß angekündigt werden, die man überall zu sehen meint. Es ist so eine Sache, weil man ihnen zunächst mit Neugierde, dann mit einer gewissen Skepsis begegnet. Das war auch meine Ausgangsstimmung, als ich „Freundin bleibst du immer“ gelesen habe.

Tomi Obaros Debütroman über eine langjährige Freundschaft dreier Frauen in Lagos, Nigeria, ist eine nette Unterhaltungslektüre. Anlässlich der Hochzeit der ältesten Tochter einer der drei Freundinnen kommen alle drei zum ersten Mal nach Jahrzehnten wieder zusammen. Sie haben sich verändert, haben alle drei sehr unterschiedliche Wege in ihrem Leben gewählt. Während die eine durch die Militärkarriere ihres Mannes zu Reichtum und Ansehen gekommen ist, hat die zweite einen pflegebedürftigen, verarmten Akademiker zuhause sitzen und die dritte steckt mitten in der Scheidung von ihrem New Yorker Mann.

So weit, so unspektakulär. Die Erzählung schwenkt auf die Jugend und die ersten Beziehungen der drei zurück. Erzählt vom Beginn der Freundschaft, von den Träumen und Hoffnungen der drei jungen Frauen. Ihrem Wunsch nach Bildung und Aufstieg.

Doch ab hier wird das Buch für mich uninteressant. Es sind nicht die Frauen selbst, die ihren Weg gehen, sondern ihre Männer. Die Suche nach Unabhängigkeit endet mit der Heirat, mit dem Verlassen des Elternhauses. Ihre Form von Freiheit ist die Wahl ihres Partners, ihre Rebellion ist der Mann, den die Eltern nicht für sie aussuchten. So weit, so gut. Doch nun kommt die neue Generation, sie stehen auf der Hochzeit der Tochter, die Töchter der anderen Freundinnen sind ebenfalls vor Ort. Besonders die in New York aufgewachsene selbstbewusste Remi stellt viele kritische Fragen zur Kultur und zur Ehe. Doch statt dass der Roman hier tiefer reingeht, hier die Möglichkeit zur Reflexion und Weiterentwicklung aufmacht, bleibt er vage, verliert sich am Ende im Kitsch. Ich hatte mir mehr erwartet. Auf vielen Ebenen. Sei es, was die Rolle der Frau betrifft, die Bedeutung von Freundschaft, Gesellschaftskritik oder die Bedeutung von Gewalt in den Beziehungen. Es wird vollkommen lapidar häusliche Gewalt praktiziert und nicht mal im Ansatz als problematisch thematisiert. Sie ist einfach da, wie die Glitzernägel oder die Cornrows.

Dieser Roman will unterhalten und ist für ein anderes Publikum gedacht. Er will nicht vermitteln oder eine Gesellschaft im zeitlichen Wandel zeigen, nicht die nigerianische Kultur erklären. Das ist in Ordnung. Nicht jeder Roman aus einem afrikanischen Land sollte als Botschaftsroman zu verstehen sein. Doch ist mir persönlich der Roman einfach zu oberflächlich, um dem Hype standhalten zu können.

Tomi Obaro – Freundin bleibst du immer
Übersetzt von: Stefanie Ochel
Verlag: Hanser Blau
Gebunden, 320 Seiten