Franziska Schutzbach – Die Erschöpfung der Frauen

Franziska Schutzbach – Die Erschöpfung der Frauen

Die letzten Wochen, fast zwei Monate lang, war es hier ruhig. Ich war erschöpft. In einem Maße erschöpft, dass ich nur noch konsumieren konnte. Nicht mehr kreativ sein, nicht mehr kommentieren, nichts. Ich saß und schaute Serien. Und zugleich nagte da dieses schlechte Gewissen an mir: Ich habe doch noch so viel zu tun. Was denkt mein Kind von mir, wenn ich meine Abende nur stumpf vor dem TV liege? Müsste ich nicht Sport machen, kreativ sein, aktiv und gesellig?

Dass meine Erschöpfung kein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches, ein gewolltes ist, habe ich nun nach der Lektüre von Franziska Schutzbachs „Die Erschöpfung der Frauen“ verstanden. Sie ordnet in ihrem Buch all die kräftezehrenden Mechanismen des Alltags ein, denen Frauen (und weiblich gelesene Personen) täglich ausgesetzt sind in einen größeren Kontext ein. Sie zeigt, dass Objektivierung, Körperscham, emotionale Fürsorge (Mutterschaft!), Mental Load und viele weitere Themen jeden Tag Frauen daran hindern frei und mit der gleichen Energie wie Männer der Welt zu begegnen.

Wider die weibliche Verfügbarkeit

Franziska Schutzbach bezieht sich dabei auf die zentralen Diskussionsbereiche des modernen Feminismus, erklärt diese und verweist auf wichtige Vertreter*innen. Diese Bereiche ordnet sie dann ihrer These zu. Zeigt, wie zum Beispiel die Fixierung auf das eigene Äußere, das laut Studien schon bei jungen Mädchen für eine ständige Selbstkontrolle sorgt.

Es ist schockierend und faszinierend zu gleich, wenn man sich gemeinsam mit der Autorin systematisch viele Lebensbereiche anschaut, in denen Frauen schon von vornherein mit weniger Energie in die Bewältigung der eigentlichen Aufgaben starten.

Schaue ich mir aber all die erschöpften Gesichter von Freundinnen und besonders Müttern in meinem Umfeld während der stetig andauernden Pandemie an, dann wundert mich gar nichts mehr. Wir sind müde und der Kampf namens Alltag ist nicht zu leugnen. Mit dem Buch von Franziska Schutzbach hat man nun wenigstens ein paar Argumente zur Hand, warum diese Erschöpfung so tief sitzt und warum sie systembedingt gewollt ist.
Ein wichtiger Aspekt in der feministischen Debatte.


Franziska Schutzbach – Die Erschöpfung der Frauen
Verlag: Droemer Knaur
Klappenbroschur, 304 Seiten