[Lieblingsbücher-Challenge] Ernest Hemingway – Paris: Ein Fest fürs Leben

[Lieblingsbücher-Challenge] Ernest Hemingway – Paris: Ein Fest fürs Leben

Im Rahmen der “Lieblingsbücher-Challenge” liest jede von uns noch einmal 12 ihrer Lieblingsbücher und präsentiert sie hier.

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Dieses Buch hat Ernest Hemingway als lesenswerten Autor für mich gerettet. Die Stadt!! Die Menschen!!! Unglaublich, was für Geschichten er zu erzählen weiß. CIMG2387 (2) Als ich das erste Mal was von Hemingway in den Fingern hatte war ich sechzehn. Es waren Kurzgeschichten aus dem spanischen Bürgerkrieg, ein kleines oranges Büchlein, dass ich aus der Stadtbücherei ausgeliehen hatte. Ich bin hoffnungslos gescheitert, ich habe einfach keinen Zugang gefunden. Beim nächsten Versuch war ich zweiundzwanzig und das Buch meiner Wahl hieß “Wem die Stunde schlägt”. Nach 122 Seiten habe ich entnervt aufgegeben (das Lesezeichen steckt bis heute als Mahnmal im Buch), die Sprache war mir einfach zu roh, die Grundstimmung zu deprimierend.

Und dann habe ich vor drei Jahren “Midnight in Paris” gesehen und bin der Person Hemingway hoffnungslos verfallen. Das Überschwengliche und Impulsive in seiner Persönlichkeit hat mich vollkommen begeistert (auch wenn da vielleicht Fiktion drin steckt). Also gab ich dem Autor Hemingway auch noch eine Chance und entschied mich für “Paris – ein Fest fürs Leben”, dass gerade neu aufgelegt worden war. Meine Faszination für Paris der zwanziger Jahre bestand da schon, warum also nicht mal die Erinnerungen von einem, der dabei war, lesen. Und einmal mit dem Lesen angefangen, habe ich das Buch einfach verschlungen.

CIMG2391 (2)Der Titel fasst das Buch hervorragend zusammen. Es ist ein einziges Fest; Hemingway schreibt voller Lebensfreude und gleichzeitig voller Zärtlichkeit. Damit hat es genau das, was ich bei “Wem die Stunde schlägt” immer vermisst habe, ohne das es an der Direktheit mangelt, die Hemingways Stil auszeichnen. Er ist kein Freund blumiger Umschreibungen, er schreibt einfach direkt, was er sieht. Und so nimmt er auch für seine Freunde kein Blatt vor dem Mund. Schonungslos beschreibt er zum Beispiel, wie F. Scott Fitzgerald sich immer mehr dem Alkohol zuwendet (ich kann blumige Umschreibungen!) oder Ezra Pound immer mehr von faschistischen Ideen beeinflusst wird. Oder er berichtet von Sylvia Beachs Buchhandlung “Shakespeare & Company”, in der er sich Bücher ausleihen konnte. Und nebenbei zeichnet er ein Bild von dem Paris, in dem er sich bewegt, zeigt seinen Alltag und seine Gewohnheiten.

Am Ende hatte ich eine völlig neue Seite des Autors Hemingway entdeckt und bin somit auch wieder eher bereit, seine anderen Bücher zu lesen. Doch vor allen Dingen hat er mir eine Menge über Paris und seine Bewohner berichtet. Die Mitglieder der “Lost Generation” werden hier als eine Gruppe von Menschen gezeigt, die überschwänglich leben und alles in vollen Zügen genießen, was durchaus in einem starken Gegensatz zu ihren Werken steht. Hemingway gibt dem Leser dadurch auf viele Personen einen anderen Blickwinkel. Auch wenn der nicht immer positiv ist, so ist der doch wahnsinnig faszinierend. Mir hat das erneute Lesen vor allen Dingen eines gezeigt: Über dieses Buch kann man mit mir nicht diskutieren, ich liebe es zu sehr, um es objektiv betrachten zu können. Und glaubt mir, es macht wahnsinnig viel Spaß, mit Hemingway durch Paris zu flanieren und sich von ihm die Stadt zeigen zu lassen.

Eure Maike