Ein Satz mit x – zwei Romane, die mich nicht überzeugen konnten

Ein Satz mit x – zwei Romane, die mich nicht überzeugen konnten

Ich schreibe nicht gern Verrisse. Meist kommt es auch gar nicht dazu, weil ich frühzeitig merke, wenn mich ein Buch nicht überzeugen kann. Dann breche ich ab und bespreche es entsprechend nicht. Ein unvollständig gelesenes Buch kann man nicht anständig bewerten und besprechen.
Doch ist es in den letzten Wochen leider zweimal vorgekommen, dass ich mich recht lange an die Hoffnung geklammert habe, dass das Buch noch eine positive Entwicklung durchläuft und deshalb durchgehalten. Was soll ich sagen? Deshalb kommt ihr nun in den Genuss von zwei Besprechungen abseits der üblichen Empfehlungen.

Candice Carty-Williams – Queenie

Der Roman Queenie über eine junge Journalistin, die durch das heutige London stolpert, wird laut Klappentext als moderne Bridget Jones gefeiert. Ich persönlich hätte den Platz auf dem Klappentext lieber für eine dicke Triggerwarnung genutzt. Denn dieses Buch erzählt von einer selbstzerstörerischen jungen Frau, die sich aufgrund ihrer emotionalen Misshandlungen in der Kindheit nach der Pause/Trennung vom weißen Langzeitpartner Tom von einer toxischen Affäre in die nächste stürzt. Dabei wird sie auf so vielfältige Weise schlecht, rassistisch, brutal oder misogyn behandelt, dass ich das Buch immer wieder geschockt beiseite legen musste. Der flapsige, meist selbstironische Ton löste dabei bei mir regelmäßig völlige Erschütterung aus, weil er in keiner Verbindung mit dem Erlebten zu stehen schien. Ein Beispiel: Sie liegt völlig wund und zweifelnd, ob sie diesen Sex wirklich haben wollte, auf dem Boden und denkt dann: “Ach Queenie, hast du dich wieder hinreißen lassen!”
Sie interessiert sich halbherzig für die BLM-Bewegung, würde gern Artikel darüber verfassen, doch das Unterhaltungsmagazin, für das sie arbeitet, sieht die Themen weder bei sich noch bei Queenie in den richtigen Händen.
Im letzten Drittel kommt es zwar zu gewissen Änderungen, man mag fast von einer Entwicklung bei der Protagonistin sprechen, doch bleiben selbst diese irgendwie platt und wenig nachvollziehbar. Die Grundidee einer Geschichte über eine schwarze Journalistin, die im heutigen London lebt, nicht der gängigen Schönheitsnorm entspricht und Alltagsrassimsus benennt und anspricht, bietet enorm viel Potenzial. Doch die Darstellung in diesem Buch wechselt zwischen hochgradig problematisch und plump-klamaukig. Beides den angerissenen Themen nicht angemessen.

Das Buch beim Verlag

Amity Gaige – Unter uns das Meer

Eigentlich hat mir der Anfang dieses Romans enorm gut gefallen. Aus zwei Perspektiven wird erzählt, wie Juliet und Michael gemeinsam mit ihren Kindern auf einem Segelboot ein ganzes Jahr auf dem Meer leben wollen. Teilweise erzählt Juliet von ihren Zweifeln und ihrer anfänglichen Abneigung gegen den Plan, teilweise liest man Auszüge aus dem Log- und Tagebuch von Michael. Nach und nach kristallisiert sich heraus, dass auf dieser Reise einige unerwartete Dinge passiert sein müssen.
Doch statt diese anfängliche Spannung bis zum Ende zu halten, verliert sich das Buch im Laufe der Zeit in den Beziehungsproblemen, unterschiedlichen politischen Meinungen und den psychischen Problemen der beiden Hauptfiguren. Leider werden sie einem auch immer unsympathischer. Juliet, die sich ihrer Vergangenheit nicht stellt und Michaels Egotrip und gesamte Lebenseinstellung werden irgendwann zum dauerhaften Nervthema. Doch habe ich durchgehalten – auf das düstere Finale wartend, das sich nicht ansatzweise so interessant darstellte, wie erhofft. Nein, dieses Buch konnte mich leider auf vielen Ebenen nicht überzeugen.

Das Buch beim Verlag

Nicht jedes Buch kann einen restlos überzeugen. Welche haben euch zuletzt nicht abgeholt?

Eure Mareike