Dschinns – Fatma AYDEMIR

Dschinns – Fatma AYDEMIR

Eine Familie, viele Perspektiven auf ein Einwanderleben in Deutschland. Der neue Roman von Fatma Aydemir hat Wucht. Die Geschichte beginnt mit dem Familienoberhaupt Hüseyin, wie er in seiner Ruhestandswohnung in der Türkei zusammenbricht. Er hat hart für diese Wohnung, für das kleine bisschen Wohlstand gearbeitet und nun wird er ihn nie genießen können, denn er stirbt noch vor Ort.

In einzelnen Geschichten wird erzählt, wie nach und nach seine Familie zur Beerdigung anreist und über ihre Beziehung zum Patriarch reflektiert. Nach und nach formt sich ein Bild einer diversen, starken Familie. Jeder und jede für sich hat ein anderes Schicksal, ein anderes Angekommen in einer fremden Kultur. Jedes Kind von Hüseyin hat seine eigenen Kämpfe mit ihm und der Herkunft gehabt. Mal sind es versöhnliche Blicke auf den Vater und sein Bemühen, in Deutschland Fuß zu fassen, mal sind es verbitterte Perspektiven auf eine konservative Einstellung, die für in Deutschland aufgewachsene Kinder ungewöhnlich hart wirkt.

Es ist keine ungewöhnliche Geschichte, aber ungewöhnlich dicht. Wie durch ein Prisma erstrahlen die Leben der einzelnen Familienmitglieder in unterschiedlichen Farben. Beim Lesen hatte ich durchgängig das Gefühl, dass mit jeder neuen Geschichte eine weitere Farbe, eine andere Stimmung hinzukam. Von dem schlichten hellen Gelb der Ehefrau bis zum wütenden Rot der ältesten Tochter, die sich fast vollständig von der Familie entfremdet hat. Jede Figur scheint einen leicht anderen Stil, eine andere Tonalität zu haben, und doch ist es eine gemeinsame Familiengeschichte. Eine unaufgeregt und doch elementar ehrlich erzählte.

Das Buch fühlte sich von Seite eins intensiv und dicht an. Jeder Satz sitzt und die sprachlichen Bilder sind so stimmig, dass ich sie wieder und wieder lesen musste. Eine große Empfehlung.

Fatima Aydemir – Dschinns
Verlag: Hanser
Gebunden, 368 Seiten