Drei Bücher im Juni, die mich alle nicht hypen konnten

Drei Bücher im Juni, die mich alle nicht hypen konnten

Natsu Miyashita – Klang der Wälder

Ein Roman über seltsame Käuze, den Zauber von klassischer Musik und das Debüt einer jungen, talentierten japanische Autorin: Für mich eine perfekte Mischung für einen vielversprechenden Roman. Doch leider habe ich nach etwa 150 Seiten aufgegeben. Die Geschichte über den schüchternen Tomura und seinen Werdegang zum Klavierstimmer beginnt schon eher unspektakulär: Er sieht einem Klavierstimmer zu und beschließt, dass dies der perfekte Beruf für ihn ist.
Doch auch nach der schulischen Ausbildung und den ersten Lehrmonaten bleibt der junge Mann farblos und seltsam passiv im eigenen Leben. Selten habe ich einen so unsichtbaren Protagonisten erlebt. Vielleicht fehlt mir auch einfach die Ruhe und Geduld für dieses Buch. Ich habe einfach keinen Bezug dazu finden können. Also lassen wir das lieber. Das nächste fesselnde Buch kommt bestimmt.

Alena Schröder – Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Dieser Roman hat mich im Vorfeld sehr neugierig gemacht, weil ich mehrfach hörte, welches Potenzial darin stecken sollte. Ein spannender Roman, der sich über mehrere Frauengenerationen erstreckt – vom Zweiten Weltkrieg bis heute. Verbunden durch ein Gemälde eines jüdischen Kunsthändlers, das während der Kriegswirren verschwand.
Eine junge Frau findet eine Benachrichtigung bei ihrer Großmutter, dass man sie als mögliche Erbin von jüdischer Raubkunst ermittelt habe. Die Enkelin entdeckt dadurch eine ganz neue Seite an ihrer Großmutter und deren Mutter, die einst einen Juden heiratete, mit ihm aus dem Land verschwand und ihre Tochter bei der Schwägerin ließ. Es geht um Selbstbestimmung und Mutterschaft in verschiedenen Facetten. Um Schuld und Überlebenswillen – aber am Ende doch nur um einen historischen Roman mit klassischen Familiengeheimnis, wie es viele dieser Art gibt. Ein sehr schön geschriebener. Ein klug komponierter Roman mit sehr einnehmenden Figuren, aber auch recht beliebig. Gefühlt habe ich diesen Plot schon einige Male gelesen.

Dolly Anderson – Gespenster

Das Buch habe ich im Februar gelesen und seitdem hadere ich mit mir. Habe ich ein anderes Buch gelesen als diejenigen, die das Buch hypten? Bin ich ein humorloser Klotz oder inzwischen schon einfach zu tief in feministischen Themen, dass mich die Geschichte weder überraschen noch fesseln konnte?

Ich weiß nicht, woran es lag. Doch meine Vorfreude war groß, als ich das Buch und das dazugehörige Paket erhalten habe. Liebevoll zusammengestellt und voller Kleinigkeiten, die zum Titel passen. Doch das Buch wurde nicht zu dem von mir erhofften Highlight.
Versteht mich bitte nicht falsch: Die Thematik um das Thema Ghosting und wie die Protagonistin im Laufe des Romans damit umgeht, ist gut und wertvoll. Ghosting – also das plötzliche Verschwinden aus einer Beziehung oder Freundschaft – scheint ein Phänomen zu sein, das mit der Unverbindlichkeit und der ständigen Verfügbarkeit von quasi allem einher geht. Tinder und andere Dating-Apps bedeuten ständig Nachschub, die dauerhafte Verheißung auf jemand noch besseren, noch passenderen. Und da man sich im urbanen Umfeld zuerst virtuell kennenlernt und nicht über das eigene soziale Umfeld, kann man auch schnell wieder aus dem Leben der anderen Person verschwinden. Soweit das Dilemma, das die erfolgreiche Food-Autorin Nina selbst kennenlernen muss.

Das eigentliche Problem mit diesem Buch ist, dass es über die Beschreibung des Phänomens Ghosting wenig Innovatives oder Interessantes zu erzählen hat. Die Figuren – seien es Freundinnen, die Eltern oder Ninas Ex und seine neue Partnerin – sind durchgängig unsympathisch. Das mag anderen anders gegangen sein, doch bei mir ist bei diesem Buch nicht der Funke übergesprungen. Ich habe mir einen weniger beziehungskomödienhaften Schreibstil und mehr Frauenfiguren abseits des Klischees gewünscht. Es ist nicht eine sympathische oder positiv beschriebene Frauenfigur zu finden. Die eine Freundin sucht verzweifelt nach einer Beziehung und reibt sich daran auf, die andere versauert als Mombie im Leben in der Vorstadt. Für Nina der blanke Horror. Die Mutter kümmert sich zu viel um sich selbst. Und was ist mit der Protagonistin Nina selbst? Eine Figur, die sich nicht so verhält, wie ich es von einer erfolgreichen Erwachsenen erwarten würde.

Das Buch hat mich teilweise unterhalten. Es enthält ein paar sehr gute Beobachtungen über unsere Zeit und urbane Hipster Anfang dreißig. Doch hatte ich mir mehr, vor allem Differenziertes, erhofft. Oder wenigstens ein paar gute Lacher.