Die Katzen von Shinjuku – Durian Sukegawa

Die Katzen von Shinjuku – Durian Sukegawa

In einem kleinen Restaurant in einem etwas verrufenen Viertel in Tokyo hängt an der Wand hinter der Theke ein Bild mit Zeichnungen und Beschreibungen mehrerer Straßenkatzen.
Dieses Bild ist Ausgangs- und Endpunkt einer berührenden Geschichte über einen jungen Mann, der seinen Weg finden muss.

Ein klein wenig ist es auch eine Liebesgeschichte. Doch die ist so zart und leicht, wie ich es nur aus japanischer Literatur kenne. Ein wenig melancholisch, etwas brutal und mit viel Unausgesprochenem: So ist die langsam wachsende Anziehung von Yama und Yume so zerbrechlich wie ein dünner Papierfächer.

Doch das, was den eigentlichen Charme dieses Romans ausmacht, sind die vielen Katzen, die eine Rolle spielen. Die Straßenkatzen schauen in unregelmäßigen Abständen durch ein kleines Fenster hinter der Theke. Die seltsamen, teilweise zwielichtigen Gestalten, die jeden Abend in dem kleinen Restaurant sitzen, schließen Wetten darauf ab, welche Katze als nächstes am kleinen Fenster über der Bar erscheinen wird.

Doch für den schüchternen Ich-Erzähler ist es die Köchin Yume, die sein Herz höher schlagen lässt. Sie umgibt eine ähnlich unberechenbare, zerbrechliche Aura, wie die Streuner von der Straße. Tatsächlich verbindet sie auch mehr mit ihnen, als es auf den ersten Blick scheint. Yama weiß nicht viel über sie, doch spürt er, dass sie etwas verbirgt, sie stets getrieben scheint, wenn sie nicht am heißen Grill steht und grüne Paprika brät.

Dieser kleine, feine Roman ist eine nette, schüchterne Liebesgeschichte. Bittersüß und sehr japanisch. Wer japanische Literatur oder Mangas mag, wird dieses Buch sehr mögen. Mir war es zeitweise ein wenig drüber, wie Yume mystifiziert und romantisiert wurde. Doch insgesamt mochte ich die Mischung aus Romantik und Düsternis mit einer guten Portion Katzencontent.


Durian Suregawa – Die Katzen von Shinjuku
Aus dem Japanischen von Sabine Mangold
Verlag: Dumont
Gebunden, 272 Seiten