Die drei Leben der Hannah Arendt

Die drei Leben der Hannah Arendt

Im Verlauf der letzten Jahre habe ich Stück für Stück meine Liebe für Comics und Graphic Novels wiederentdeckt. Als Kind habe ich das Comicregal der Bücherei mehrfach durchgelesen und selbst die sinnlos brutalen und irgendwie unlustigen (sorrynotsorry) “Asterix und Obelix”-Bände aus dem Regal meines Vaters konnte ich irgendwann fast auswendig.
Später folgte eine große Leidenschaft für dramatische Manga, für die mein gesamtes Taschengeld draufging.

Dann folgte eine längere Phase (wohl durch den sozialen Druck des Studiums eher gehobene Titel zu lesen), in denen ich keine Comics mehr las. Das änderte sich mit den ersten hochwertigen Graphic Novels zu literarischen Vorlagen, die ich entdeckte. Eigene Interpretationen von literarischen Meisterwerken, detailverliebt ausgearbeitet und mit einer sehr guten Mischung aus Unterhaltung und (so called) literarischem Anspruch.

Dass es nicht nur mir so geht, sondern insgesamt die Nachfrage nach wertigem, meist Hardcover mit starkem Papier Bildergeschichten, zeigt die ansteigende Vielfalt in den letzten 5-8 Jahren.
Die Bildgeschichte als Annäherung an komplexe Themen ist für mich eine sehr gute Möglichkeit, meine ohnehin eher schwer einzufangende Aufmerksamkeit zu bekommen.
So hätte ich wohl kaum zu einer Biografie von Hannah Arendt gegriffen – ganz offen gesagt. Ich lese sehr selten (oder auch nie) Biographien und gerade das Leben von Hannah Arendt bietet mit ihrer Nähe zu vielen verschiedenen Philosophischen Strömungen, ihrer eigenen mit dem Holocaust-verbundenen Vergangenheit ist nicht unterkomplex.

Und doch hat Ken Krimstein einen Versuch unternommen, dieses Leben in eine gleichsam kreativ-unterhaltsamen wie auch informativen Graphic Novel einzufangen. Insgesamt ist es ihm durchaus gelungen. Doch muss ich sagen, dass mir sein Stil, der eher verwaschen und teilweise etwas skizzenhaft wird, nicht mein Fall war. Im Gegenteil, hat er mich an einigen Stellen stark gestört und mir die Figuren etwas unsympathisch gemacht. Auch wird an einigen Stellen philosophischen Vorwissen benötigt, das ich nur mit etwas Mühe aus meinem rudimentären Philosophiewissen aus Studiumszeiten entschlüsseln konnte.

Auch setzt es sich nicht weiter kritisch mit ihren durchaus teilweise rassistischen Äußerungen auseinander, was das Bild von Hannah Arendt einseitig zeichnet. Wenigstens eine Fußnote hätte ich hier erwartet.

Doch ist hier natürlich die Frage, an wen sich die Graphic Novel wendet: Wer noch nie etwas von und über Hannah Arendt gelesen hat, wird vielleicht nicht so viel Freude daran haben wie diejenigen, die bereits etwas tiefer im Thema drin sind.
Und auch den Stil der Zeichnungen sollte man wohl mögen. Handelt es sich aber um ein beeindruckendes Buch? Das steht außer Frage. Hier steckt sehr viel Wissen und gewissenhafte Recherche drin. Wenn ihr euch für Hannah Arendt interessiert, kann ich euch dieses Buch durchaus empfehlen.

Das Buch beim Verlag

Eure Mareike