Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack

Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack

Dieses Kinderbuch gilt als ein amerikanischer Klassiker. Erschienen ist er erstmals 1961. Eine vollkommen andere Zeit. Eine Zeit, in der Kindheit noch geprägt war von Blechautos, dünnen Comicheften und viel Freizeit. So sieht Milos Kindheit aus und er langweilt sich. Sein Leben, die Schule, der Alltag, alles erscheint ihm trüb und sinnlos. Was soll er lernen, wenn die Schule so gar nichts mit seinem Leben zu tun hat? Für ihn sind Mathe, Rechtschreibung und all die anderen Fächer einfach unnötig.

Wie passend, dass eines Tages ein Paket vor seiner Tür steht, ein großer Karton, der ihn auf magische Weise ein Tor in eine andere Welt eröffnet. Eine Welt voller Merkwürdigkeiten, kleiner und großer Königreiche und jeder Menge exzentrischer Bewohner*innen.
Schnell macht er Bekanntschaft mit dem Zeitenhund Tack und dem elegant gekleideten Herrn Kakerlack. Sie begleiten ihn auf seiner Suche nach den Schwestern Sinn und Verstand – den Schwestern der Könige von Wortopolis und Zahlheim.

So dringt die kleine Gruppe immer tiefer ins Reich der Fantasie vor, können sich nur mit Geschick und Schläue aus so manch brenzliger Situation befreien. Nebenbei lernt Milo all die Begrifflichkeiten und Tugenden seines Schulalltags zu schätzen. Denn es scheint so, als läge diese verquere Welt im Argen, weil wörtlich Sinn und Verstand fort seien.

Doch funktioniert ein 60 Jahre alter Kinderroman auch noch heute? Kann man die Sorgen und Nöte damaliger Kinder nachvollziehen und sich in die Fantasiewelt hineinversetzen? Ich fragte mich, ob wirklich jeder Klassiker zeitlos sei. Nachdem ich erst neulich “Alice im Wunderland” und “Der geheime Garten” erneut gelesen habe, hätte ich die Frage eigentlich voller Überzeugung mit JA beantworten mögen. Doch hier zögere ich.
Die Figuren wirken mir teilweise zu hölzern und militärisch. Die Fantasiewelt ist so voller männlicher Wirklichkeit und männlicher Akteure, dass ich verstehen kann, dass das Goldkind es nicht durchlesen mochte. Zu wenig Bezugspunkte für sie, zu viel Trostlosigkeit, zu sehr Prinzessinnen in Not. Das funktionierte für sie nicht – auch wenn die sehr eigene Sprache Spaß macht.
Für einen gleichaltrigen Jungen? Vielleicht. Doch so oder so ist es ein interessantes Buch voller charmanter Einfälle und skurriler kleiner Episoden.

Eure Mareike


Norton Juster – Die Abenteuer von Milo, Tack und Kackerlack
Aus dem Amerikanischen von Eberhard Naumann
Verlag: Atrium
Gebunden, 320 Seiten