Dennis Gastmann – Der vorletzte Samurai

Posted on

Seit vielen, vielen Jahren ist Japan mein Traum-Reiseziel. Schon als Jugendliche haben mich das Land, die fremde Kultur und vor allem das Tempo dort fasziniert. Bisher habe ich es noch nicht geschafft, doch nach der Lektüre von “Der vorletzte Samurai” von Dennis Gastmann denke ich wieder vermehrt darüber nach, einfach Flugtickets zu buchen.

Was den Autor nach Japan führt, ist seine eigene Hochzeit. Seine Frau Natsumi ist eine “Hafu”, eine Halbjapanerin und die möchte ihren Angetrauten gern dem japanischen Teil der Familie vorstellen. Und weil man schon mal den weiten Weg hinter sich gebracht hat, nutzt man die Zeit auch gleich für ausgedehnte Flitterwochen und erkundet das Land der aufgehenden Sonne.

Los geht das Abenteuer in Tokio, das Gastmann von einer früheren Reise bereits zu kennen glaubt. In den letzten Jahren hat sich aber so viel verändert, dass er so manches Mal ratlos an einer Kreuzung steht. Weiter geht es mit dem Zug Richtung Norden, wo die beiden Sendai erkunden, nach Hokkaido und wieder zurück in den Süden, nach Osaka, Beppu und Fukuoka. Zwischendurch stehen immer wieder Familientreffen an, denn die Familie von Natsumi ist weit verstreut.

So erkunden die beiden frisch Vermählten Japan und bekommen einen Einblick in die Vielfalt, die dieses Land auszeichnet. Das daraus entstandene Buch ist Reisebericht, Anekdotensammlung und der Versuch, dieses für Gastmann so fremde Land anhand seiner Beobachtungen zu porträtieren. Inwieweit ihm das gelingt, ist jedem Leser selbst überlassen, aber mich hat das Buch bestens unterhalten.

Schon allein die Begegnungen mit der Familie sind absolut amüsant und gleichzeitig ernüchternd. Gastmann spricht kein Japanisch, die Gegenseite kein Deutsch und Englisch traut man sich nicht zu. So ist er komplett auf die Übersetzungen seiner Frau angewiesen, häufig aber stummer Beobachter am Rande. Und auch auf den Unternehmungen der beiden investiert er viel Zeit in Beobachtungen. Klar werden viele klassische touristische Sehenswürdigkeiten besucht, aber Gastmann eröffnet auch Japan-Kennern noch mal einen neuen Blickwinkel auf die bekannten Orte.

Und immer wieder prallt Gastmann auf die Tücken der japanischen Kultur. Seien es die drei Damen am Ticketschalter für den Schnellzug, die in einer perfekten Choreografie gemeinsam das gewünschte Ticket ausstellen, die auch im Westen bekannten High-Tech-Toiletten, oder der Geysir, der mittels Mauern begrenzt wird. Aber auch das “alte Japan” mit Geishas und Ryokans stellt den Autor immer wieder vor Rätsel und lässt ihn fasziniert und manchmal ratlos zurück.

Fazit

Was für eine vielseitige Reisebeschreibung. Durch Natsumi und Dennis Gastmann gelingt es, von der Couch aus nach Japan zu reisen und dieses Land auf humorvolle Art zu bereisen und zu entdecken.

Eure Maike


Dennis Gastmann – Der vorletzte Samurai
Verlag: Rowohlt Berlin
Hardcover, 251 Seiten

  • Share

0 Comments

Leave a comment

Your email address will not be published.

Bitte erklär dich damit einverstanden, dass deine Daten einzig für den Zweck des Kommentarschreibens in unserem System gespeichert werden.