Das war wohl nichts

Das war wohl nichts

Rezension – Abgebrochen

Aus den letzten Wochen habe ich euch hier ein paar Titel zusammengestellt, die ich teilweise abgebrochen habe oder aber die mich nicht überzeugen konnten.

Hitze – Raven Leilani

Dieses Buch wurde in den letzten Wochen sehr gehyped. Ich sah es überall in Social Media. Und ich bin immer neugierig, wenn Zadie Smith etwas als “Brutal und brilliant.” bezeichnet. Eine junge schwarze Autorin, die offen und selbstbestimmt in ihrem eigenen Stil aus dem Alltag junger britischer Frauen schreibt – das ist etwas, von dem ich mir eine kluge, neue Perspektive erhoffe. Einen Roman abseits gängiger Erzählmuster, frisch und offen aus den eigenen Erleben erzählt.
Was ich bekommen habe, wer leider eine Aneinanderreihung von peinlichen Episoden von merkwürdigem Bürosex, einer unmotivierten Affäre mit einem weißen, 40jährigen Familienvater, der ein kleines schwarzes Mädchen adoptiert hat.
Die Bedürftigkeit, mit der die Protagonistin nach Sex und Aufmerksamkeit dürstet, dabei sich selbst als “Büroschlampe” bezeichnet und in Nebensätzen von rassistischen Alltagserfahrungen erzählt, hätte ich irgendwie noch überlesen können. Doch die stoffeligen Dialoge und das unmotivierte Verhalten der Figuren waren für mich ein endgültiger Abbruchgrund.
Deshalb ist meine Meinung keine vollständige. Ich bin nicht über Seite 100 gekommen und kann nur grob sagen: Die Parallelen zu “Queenie” waren frappierend und wer das nicht mochte (ich!), wird auch mit “Hitze” nicht warm werden.

Colton Whitehead – Harlem Shuffle

Dieses Buch habe ich nach etwa einem Drittel abgebrochen. Deshalb kann ich hier keine vollständige Besprechung erstellen. Ich gebe euch nur einen kurzen Eindruck, warum ich es abbreche.
Grundsätzlich halte ich Colson Whitehead für einen wichtigen zeitgenössischen Schriftsteller. Ich finde seinen Stil aber per se etwas distanziert und komme nicht wirklich an seine Figuren ran. Das, was mich bei “Underground Railroad” und “Nickel Boys ” trotzdem fesseln konnte, war die Handlung. Und genau das ist nun die Schwäche von “Harlem Shuffle”. Die Geschichte über die mal mehr, mal weniger kriminellen Schwarzen von Harlem, die versuchen auf dem rechten Weg zu bleiben oder das ganz große Ding zu drehen, hat mir zu wenig Schwung gehabt. Ich hatte das Gefühl, als warte man auf etwas, den großen Knall. Der ständige Wechsel zwischen den Figuren, die Beschreibung all ihrer Biographien, die die Handlung nicht antreiben konnten, hat mich zunehmend gelangweilt. Ich glaube, man muss Whiteheads Stil einfach lieben, um dieses Buch mögen zu können. Da ich seine Figurenbeschreibung eher anstrengend finde, war das nichts für mich.

Bae Suah – Weiße Nacht

Die junge Ayami hat in dieser unwirklichen Nacht in Seoul ihren letzten Arbeitstag in Hörtheater, das mehrere Jahre ihre Heimat und ihren Anker darstellte. Nun geht sie mit dem Professor, dem Leiter des Museums, zum Abschied in ein Restaurant. Die Hitze flirrt über der Stadt und merkwürdige Dinge geschehen. Es scheint, als flirre die Wirklichkeit wie eine Fatamorgana und zerfließe zu mehreren Wirklichten. Zeit und Raum vermengen sich zu neuen Geschichten, Figuren begegnen sich neu und anders, Motive bilden sich immer wieder neu aus dem flüssigen Gestein der Sätze. Hier ein Nagel, dort ein gelesener Roman, ein Mönch wie aus einem David-Lynch-Film flimmert über die literarische Bühne. Und in all dem verdichtet sich die Sinn- und Identitätssuche von Ayami. Mit schlichter, klarer und präziser Sprache erzählt Bad Suah einen Roman, der sich einem entzieht und das Verstehen schwer macht. Wie Film mit wirren Szenen, ein fieberhafter Traum, in dem man mit Alice im asiatischen Wunderland, das dem weißen Kaninchen folgt, so fühlt sich dieser kurze Roman an. Eine Nacht und einen Tag lang folgt man den Figuren und bleibt ein wenig atem- und ratlos zurück. Man fragt sich, was hat man da gerade gelesen, was hat man verpasst?
Ich bleibe verwirrt und ein wenig ratlos, aber unterhalten zurück.