Das Geschenk eines Regentages

Das Geschenk eines Regentages

Was wir aktuell doch immer noch brauchen, dann sind es Dinge, die uns ein wohlig-warmes Gefühl geben. Kleine besondere Momente, die sich von dem Alltag der letzten Monate deutlich abheben.

Dieses Buch ist genau das: Ein kleines Geschenk an sich selbst. Wohlfühlmomente ohne klebrige Kitschigkeit, dafür eine Menge Katzen. Einer der Schätze, die man gern verschenkt, weil man dieses Gefühl vielen Menschen wünscht und einem immer jemand einfällt, der genau das gerade gebrauchen kann.Nachmittage in einer anderen Welt, in der Menschen ihre Einsamkeit und Isolation durchbrechen und einander finden können.

Es ist ein verregneter Frühlingstag, als der kleine ausgesetzte Kater Chobi am Straßenrand gefunden wird. Die junge Frau, die ihn mit nach Hause nimmt, wird seine große Liebe. Er erzählt von seinem neuen Alltag, von ihrer Traurigkeit und seiner tiefen Liebe zu ihr.

Auch als er draußen das kleine Kätzchen Mimi trifft und sie verspricht, dass sie ihn heiratet, wenn sie eine große Katze ist, betont er stets seine tiefen Gefühle für seine Finderin Miyu.
Doch auch Mimi hat einen Menschen, zu dem sie eine Bindung hat. Eine junge Kunststudentin, die ebenfalls mit Einsamkeit zu kämpfen hat.

Nach und nach lernen wir Katzen und ihre Besitzer*innen kennen. Allesamt melancholische Figuren, die durch ihre Bindung zu ihren Katzen ein wenig aus ihrem bisherigen recht eintönigen Leben gerissen werden. Die Tiere bringen Wärme und schrittweise weitere Kontakte in die Leben ihrer Besitzer. Auf elegante und geschmeidige Weise werden die Leben der Katzenbesitzer*innen miteinander verwoben, manche begegnen sich nur kurz oder haben nur über ihre Katzen eine Verbindung. Doch am Ende sind es stets die Tiere, die das Leben dieser einsamen Figuren bunter, reicher und lebenswerter machen.

Die Entstehungsgeschichte von “Das Geschenk eines Regentages” ist ungewöhnlich. Diese Romanversion, die Makoto Shinkai gemeinsam mit seinem langjährigen Drehbuchautorenkollegen Naruki Nagakawa geschrieben hat, basiert auf dem preisgekrönten Kurzfilm “She and her Cat”. Doch behandelt diese nur die erste Figur, den kleinen Findelkater Chobi und seine Liebe zu seiner Finderin Miyu.

Wer aber einen Eindruck von der melancholischen Stimmung und der schönen Tonalität der Geschichte bekommen will, sollte sich den knapp fünfminütigen Kurzfilm einmal anschauen.

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Dieses Buch hat mir wieder einmal bewusst gemacht, wie gern ich die schlichte japanische Literatur liebe. Vieles bleibt ungesagt, man muss manchmal innehalten und begreifen, was die Leerstellen bedeuten, welche Emotionen durch eine Geste oder einen kurzen Satz transportiert werden. Diese Kunst beherrscht das Autorenteam hervorragend.

Der Roman ist eine Ode auf die besondere Beziehung von Katze und Mensch. Er macht die allgegenwärtige Einsamkeit der Großstadt deutlich und wie kleine Zufälle diese zu durchbrechen vermögen.

Eure Mareike


Makoto Shinkai, Naruki Nagakawa – Das Geschenk eines Regentages
Aus dem Japanischen Von Heike Patzschke
Gebunden, 256 Seiten