Das Finale der Dark Noir-Trilogie: Lange Nacht

Das Finale der Dark Noir-Trilogie: Lange Nacht

Endlich habe ich den dritten, abschließenden Band der Crime-Noir-Reihe von Thomas Mullen gelesen und war wieder sehr angetan. Zwar war für mich der erste Band mit Abstand der stärkste, doch lohnt sich diese Reihe insgesamt. Sie gibt einen sehr spannenden Einblick in die Anfänge der Bürgerrechtsbewegung und in die Arbeit der ersten schwarzen Polizeieinheit in Atlanta.

Der letzte Band Lange Nacht spielt 1956, der durch Rosa Parks ausgelöste Busstreik zieht sich bereits über etliche Monate. Ein junger Prediger namens Martin Luther King macht die Regierung nervös. Doch bildet dies nur einen groben Rahmen für die eigentliche Handlung.

Wie auch die Bände zuvor beginnt dieser mit einem Mord. Es ist einer der ersten schwarzen Zeitungsmogule, der nachts in seinem Büro erschossen wird. Während der ehemalige Polizist Tommy Smith nur eine Etage darunter schläft. Der Journalist Smith ist also der erste am Tatort und entdeckt einige Ungereimtheiten, die in FBI-Kreise zu deuten scheinen. Er kommt von seinem alten Leben und seinem ehemaligen Beruf nicht los. Er benötigt die Hilfe seiner ehemaligen Kollegen, um die Ehre des erschossenen Zeitungsherausgebers wiederherzustellen.

Hass und Rassismus sitzen tief im amerikanischen Justizsystem. Das wird auch im letzten Band dieser Reihe wieder sehr deutlich. Die Möglichkeiten der Ermittlungen sind für die Beteiligten enorm eingeschränkt und an vielen Stellen werden sie gezielt von den weißen Kollegen boykottiert. Doch spürt man in diesem Band die Veränderung umso deutlicher im Vergleich zu den letzten beiden. Denn neben Tommy Smith ist es dieses Mal McInnis, der weiße Leiter der Einheit, der eine zentrale Rolle spielt. Seine Entwicklung vom strafversetzten Leiter der schwarzen Einheit zum stolzen Mitglied der Truppe ist spannend und vielschichtig erzählt.

Auch dieser Band hat mir wieder gut gefallen, wenn auch langsam eine Ermüdung einsetzt, bei all den harten Kerlen und den wenigen Frauen, die überhaupt einmal zu Wort kommen dürfen. Auch war mir der Teil über das FBI, den Kommunismus und dessen Verbindung zu den Anfängen der Bürgerrechtsbewegung etwas verworren. Aber so geht es mir eigentlich immer, sobald das Thema Spionage und Geheimagenten ins Spiel kommen.

Insgesamt ein würdiger Abschluss der Trilogie, und besonders der lange Quellenkatalog am Ende des Buches haben mich sehr beeindruckt und noch einmal gezeigt, wie wichtig Mullen seine detailgetreue Darstellung der damaligen Verhältnisse war.

Eure Mareike


Thomas Mullen – Lange Nacht (Darktown 3)
Aus dem Amerikanischen von Berni Mayer
Verlag: Dumont
Gebunden, 445 Seiten