C Pam Zhan – Wie viel von diesen Hügeln ist Gold

C Pam Zhan – Wie viel von diesen Hügeln ist Gold

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Was C Pam Zhang in ihrem Debütroman beschreibt, ist ein unerbittlicher Überlebenskampf in einem Land, das von Gier und Ausbeutung lebt. Ausbeutung von unter falschen Versprechungen ins Land geholten Einwanderern, die unbarmherzig Eisenbahnschienen durch Landschaften und Tunnel in Minen treiben. Männer, Frauen und Kinder, die unter schrecklichsten Bedingungen für den Traum nach Freiheit und Land den Profit von Goldmännern, Minen- und Eisenbahnbesitzern ins Unermessliche treiben.
Das ist das Setting, in das die beiden Geschwister Lucy und Sam hineingeboren werden. Die sehen, wie ihre Eltern – asiatische Einwanderer – daran zugrunde gehen und sie schließlich als Waisen in dieser brutalen Frontierwelt des Wilden Westens zurücklassen.

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In vier anachronistisch erzählten Teilen begleiten wir die Geschwister und ihre Eltern auf ihrer Suche nach Glück und Selbstbestimmung, die sich hauptsächlich als ein ständiger Überlebenskampf darstellt. In einem sehr speziellen Sound und ganz eigenen Sprachbildern, mit Einsprenklern von chinesischen Worten, erzählt C Pam Zhang auch die Geschichte der ersten chinesischen Migranten in Amerika, von dem ausbeuterischen System der Eroberer und dem achtlosen Umgang mit der Ressource Mensch. Aber auch von der rücksichtslosen Zerstörung der Landschaft und Umwelt auf der Suche nach Gold. Ganze Flüsse werden trockengelegt, Landstriche veröden, ausgehungerte Schakale dringen in die Dörfer ein und auch der sagenumwobene Tiger zieht seine Kreise enger um das bisschen Zivilisation im anarchischen Westen.

Man muss Durchhaltevermögen beweisen, wenn man in diese Geschichte finden will. Ich habe fast bis zur Hälfte gebraucht, bis ich mit den Figuren und dem eigentümlichen Stil warm werden konnte. Besonders die ersten Kapitel enthalten einige abstoßende Szenen, die es einem nicht leicht machen, sich in die Geschichte einzufinden. Doch irgendwann ist man drin. Hört die besondere Sprache, den rauen Westernstil mit seinen melodischen Einschüben, und lässt sich auf die kurzen Exkurse in die bunte Geschichtenwelt ein, um dann unmittelbar wieder auf den harten Prärieboden geworfen zu werden.

“Wie viel von diesen Hügeln ist Gold” ist keine leichte Lektüre. Man muss sie sich erarbeiten, doch es lohnt sich dran zu bleiben. Ich kann versprechen, dass man so einen Western noch nie gelesen hat.

Eure Mareike


C Pam Zhan – Wie viel von diesen Hügeln ist Gold
Übersetzt von Eva Regul
Verlag: S.Fischer
Gebunden, 352 Seiten