Bedienungsanleitung Harry Potter und das verwunschene Kind

Bedienungsanleitung Harry Potter und das verwunschene Kind

Vermutlich hat es der ein oder andere mitbekommen: Es gibt eines Buch im Harry Potter-Universum. Natürlich haben mich die Bücher von J.K. Rowling durch meine Kindheit und Jugend begleitet – ich falle genau in die Zeit des Hypes. Es gab einfach keinen Weg daran vorbei. Entsprechend habe ich wohl die klassischen “Drei Phasen des Fans”© durchgemacht:

  1. Hysterische Freude: Ein neues Buch! Ein neues Buch! Ich drehe durch, sie sind wieder da!!!!
  2. Leise Zweifel: Hm, was, wenn es mich nicht so flasht wie all die anderen Bände? Kann ich meine Lieblingsfiguren dann jemals wieder so sehen wie davor? Was, wenn meine Lieblingsfigur stirbt??? Oder schlimmer noch: Sich in den falschen verliebt?
  3. Coole Abgeklärtheit: Ich gebe dem neuen Buch vorsichtig eine Chance – natürlich weiß ich, dass es nicht an die alten Bände heranreichen wird, aber hey! Vielleicht ist es ja ganz nett… (innerliches Ausrasten!)

Erstmal einen leckeren Schokoschnatz essen und die Veröffentlichung abwarten – in meinem Fall auf der tollen Lesenacht vom Carlsen Verlag.

Goldener_Schnatz_Ferrero

Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

Ihr seht also: Die Ankündigung einer Fortsetzung ist eine sehr emotionale Angelegenheit und nicht jeder kann damit gut umgehen. Deshalb hier ein kleiner Leitfaden für den Umgang mit dem aktuellen Band “Harry Potter und das verwunschene Kind”:

  1. Achtung, dieses Buch ist kein Roman. Ich wiederhole: Es ist kein Roman(!), sondern das Skript des aktuell in London aufgeführten Theaterstücks von John Tiffany und Jack Thorne.
  2. Ein Skript ist in klassischer Dramenstruktur geschrieben, ihr lest keinen Roman.
  3. Die Figuren, besonders Harry Potter und seine Freunde, sind keine Jugendlichen mehr. Mach dir bewusst, dass sie nicht fröhlich durch Hogwarts schleichen werden und anderen Streiche spielen. Sie haben Jobs, Kinder und sind verheiratet. Ich wage zu behaupten, dass Harrys wuscheliges Haar an den Seiten langsam dünn wird.
  4. Die Figuren haben sich weiterentwickelt. Ja, auch das passiert, wenn man erwachsen wird. Man schämt sich vielleicht sogar für sein Verhalten in der Jugend. Habt ihr nicht vielleicht auch etwas, was euch – aus der Ferne betrachtet – heute die Schamröte ins Gesicht treibt?
  5. Es ist nur ein Buch. Denk dran, atme tief durch, es ist nur ein Buch.
  6. Ja, Zeitreisen sind immer so eine Sache – nehmt sie nicht zu ernst. Als Fans von Doctor Who können wir davon ein Lied singen. Es wird IMMER zu unlogischen Handlungsverläufen kommen. Aber hey, die Briten scheinen nun mal massiv auf Zeitreisen zu stehen. (Miss the good ol’ time?)
  7. Denk dran, dass auch du dich verändert hast! Liest du überhaupt noch Jugendbücher? OK, Harry Potter hat dich geprägt und du liebst die Bücher nach wie vor, aber ganz ehrlich: Du bist nichtmehr dasselbe Mädchen / derselbe Junge wie damals, als du dir den ersten Band aus der Bücherei geliehen hast.
  8. Hab keine überzogenen Erwartungen an das Buch. Erwähnte ich schon, dass es nur ein Buch ist? Es ist keine Zeitreise in deine eigene Jugend. Du wirst nicht dasselbe beim Lesen fühlen wie damals.
  9. Es ist fürs Theater geschrieben worden, allein deshalb funktioniert die Dramaturgie in diesem Buch vollkommen anders als in den anderen Büchern. Lass dich drauf ein – es ist nur ein Buch.
  10. Gib dem Gedanken eine Chance, dass es nicht das ultrageilste ist, der Sohn von Harry Potter zu sein: Der Kerl ist ziemlich kaputt (Kindheit unter der Treppe, gruselige Stimmen im Kopf, seltsame Vorbilder, verdammt viel Erfolgsdruck usw.) – gebt diesem Gedanken eine Chance und lasst euch unterhalten.

harry-potter-lesenacht

Wenn ihr euch diesen Leitfaden zu Herzen nehmt, könnt ihr ein paar sehr nette Stunden mit dem neuen Buch im Harry Potter-Universum haben. Ich hatte Spaß, denn meine Erwartungen wurden sogar übertroffen. Ich mochte die Vater-Sohn-Problematik sehr und empfand es als eine spannende und logische Verlängerung der Ursprungsgeschichte um Harry.

Euch wünsche ich auch viel Vergnügen auf der kleinen Reise in die Vergangenheit – aber seid vorsichtig. Ihr wisst, dass man auf Zeitreisen eine Menge kaputt machen kann. ;)

Eure Mareike