Asako Yuzuki – Butter

Asako Yuzuki – Butter

#butterbotschaft
Heute ist nicht nur Valentinstag, sondern auch Releaseday dieses ungewöhnlichen Romans aus Japan.
„Butter“ von Asako Yuzuki. Der Roman erzählt von der wechselhaften, teilweise wahnhaften Faszination einer jungen Journalistin für eine exzentrische Serienmöderin. Diese hat als bekannte Foodbloggerin mit ihren hervorragenden Kochkünsten einsame ältere Herren verführt. Etliche dieser Männer starben auf tragische und mysteriöse Weise. 

Nun will die Journalistin Rika mehr über diese außergewöhnliche Mörderin erfahren und besucht sie im Gefängnis. Innerhalb kurzer Zeit entdeckt sie ebenfalls ihre Leidenschaft für Genuss und gutes Essen. Butter als eine Quelle der Glückseligkeit sorgt dafür, dass Rika ihr bisheriges Leben und insgesamt das karriere- und schlankheitsfixierte Leben in der modernen japanischen Gesellschaft hinterfragt. Sie beginnt die Rolle der Frau und moderne Beziehungsmodelle zu hinterfragen und wirft einen harten Blick auf die Beziehungen in ihrem Umfeld.
Als ihr Freund ihre neuen Rundungen kritisiert und die ersten Freunde an ihrer geistigen Gesundheit zu zweifeln beginnen, kann Rika das Handeln der angeblichen Mörderin immer besser nachvollziehen und gerät immer tiefer in den Sog der charismatischen Bloggerin. 

Dieser Roman ist ein interessanter Trip in die Welt des Genusses. Man bekommt selbst immer wieder Heißhunger, wenn die Journalistin in ausgesuchten Restaurants oder zuhause reichhaltige Gerichte ausprobiert und jeden einzelnen Geschmack genau beschreibt. 
Doch hier liegt auch die Schwäche des Romans: Die detailreichen Beschreibungen, die vielen Selbstreflexionen und die ausufernden Sinneseindrücke drücken das Tempo, sodass man manchmal das Gefühl hat, dass die Handlung ins Stocken gerät. Man wartet auf den großen Knall, der gezielt herausgezögert wird, jedoch ist dies kein Buch mit großem Knall. Das ist vollkommen in Ordnung, denn die Autorin lässt sich Zeit für die Entwicklung ihrer Figur. Jedoch hätte man auf ein paar Schleifen verzichten können.

Insgesamt ein Roman, der einen tiefen Einblick ins moderne Japan und dessen Esskultur gibt. Gerade die Fragen zu modernen Lebensmodellen und der Sehnsucht nach gemeinsamen Momenten fand ich sehr berührend, weil es uns in westlichen Kreisen genauso betrifft: Wer hat noch die Zeit für aufwändige Essenseinladungen nach einer harten Arbeitswoche? Wer fühlt sich für die Gemütlichkeit und Gastlichkeit verantwortlich, wenn alle nur auf Effizienz und Karriere schauen?
Ein überraschend radikaler Blick hinter ein sehr traditionelles Lebensmittel: Butter ist Rebellion. 


Asako Yuzuki – Butter
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Verlag: Blumenbar
Gebunden, 442 Seiten