An den Ufern von Stellara – Ein Hauch magischer Realismus

An den Ufern von Stellara – Ein Hauch magischer Realismus

Rezension

Es ist ein dichtes Bild, das Daniela Raimondi in ihrem Debütroman da zeichnet: Ein Fluss, eine etwas magisch umwobene Verbindung zweier Liebender, eine Weissagung für die daraus entstehende Familie. Es geht um Träumer*innen und Realist*innen, Unglücksvögel und weiße Schlangen, die das häusliche Glück schützen sollen.

All das durchdringt die über zweihundert Jahre umspannende Familiengeschichte und taucht in jeder Generation wieder auf. Wie ein Kartenspiel, das in der neuen Generation erneut gemischt und ausgeteilt wird, erwarten einen wieder ein Satz Träumer*innen, die sich in waghalsige Abenteuer und unglückliche Liebesbeziehungen stürzen und genauso sehr solide Menschen, die ihr Glück am Ufer der Stellara zu machen versuchen. Im Laufe jeder Generation taucht eine weiße Schlange auf, die nicht getötet werden darf, es dann aber doch wird. Kleine Kinder entdecken auf Dachböden oder in Schränken die schicksalhaften Tarotkarten und ein Sonderling kann die Geister der Toten sehen. Mischen, neue Runde.

Ich muss zugeben, dass mich diese Dichte von Symbolik und offensichtlichen Parallelen zwischendurch durchaus irritiert hat. Man kann hier nicht von zarten Andeutungen und unterschwelliger Motivik sprechen. Es ist eher der Holzhammer, der von der Autorin genutzt wurde, um die Elemente in ihre Geschichte einzuarbeiten.

Dabei hat der Roman das gar nicht nötig. Es ist interessant genug, was sie zu erzählen hat. Der gesellschaftliche Wandel, die historischen Ereignisse und die tiefen Glaubenssätze, die über Generationen tradiert werden, bieten mehr als genug spannenden Stoff. Dieser Roman, der auch sehr stark die Rolle der Frauen in den Familien als starke Triebfedern und Akteurinnen zeigt, ist modern und voller guter Handlungsläufe. Doch will die Autorin in ihrem Debüt einfach zu viel. Sie überzeichnet, bringt so viele Figuren ins Spiel und platziert die wiederkehrenden Motive an jeder Ecke. Ein bisschen weniger – von allem – und der Roman wäre hervorragend. So ist er ein guter Sommerroman, den man auch mal etwas unaufmerksamer lesen kann.

Daniela Raimondi – An den Ufern von Stellata
Übersetzt von Judith Schwaab
Verlag: Ullstein
Gebunden, 512 Seiten