Alte Ottos, bezaubernde Göttinnen und brennende Stadtviertel

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Der Februar beginnt stürmisch und mit ein paar guten Büchern. Ich komme so langsam dazu ein paar Titel aus dem letzten Jahr zu lesen. Oder aber auch zu beenden. Im Fall von “Otto” habe ich mich aber nach Monaten der wiederholten Neuversuche endgültig für den Abbruch entschieden. Ich wurde einfach nicht warm mit dem Buch. Die anderen beiden Titel haben mich dafür umso mehr begeistert.

ABGEBROCHEN|

DANA VON SUFFRIN – Otto

Das Buch Otto erzählt die Geschichte zweier junger Frauen und ihrer Beziehung zu ihrem Vater Otto. Ein eher sonderbarer Zeitgenosse, exzentrisch und eigenbrötlerisch. In losen Episoden und Erinnerungen lernt man die Familie kennen. Doch auch nach knapp der Hälfte hatte ich noch kein richtiges Gefühl für die Geschichte. Die Figuren blieben mir merkwürdig fern und gleichgültig. Ich merkte, dass ich immer häufiger Absätze übersprang und deshalb noch weniger verstand. Es hat einfach nicht gefunkt.

BEENDET|

MADELINE MILLER – Ich bin Circe

Circe war die Hexe, bei der Odysseus auf seiner langen Reise angespült wurde, die seine Mannschaft in Schweine verwandelte und in die er sich so sehr verliebte, dass er kurz seine Heimat vergaß. Doch ihre Geschichte wurde stets als Teil von Odysseus’ Leben, als Episode beleuchtet. Madeleine Miller erzählt in einer modernen und sehr kraftvollen Neuinterpretation von einer Göttin, die ebenfalls nur Spielball der göttlichen Intrigen war, bis sie ihr Leben selbst in die Hand nahm und aus sich und ihrem Leben im Einklang mit der Insel (ihrem Exil) eine neue Stärke entwickelt und ihr eigenes Glück findet.
Zwar kannte ich die meisten hier vorkommenden Mythen und griechischen Götter, doch in dieser fesselnden Form habe ich sie noch nie gelesen. Kurzweilig und voller überraschender, sehr stimmiger Wendungen belebt Miller die antike Mythologie neu und gibt ihr einen neuen, feministischen Drive.

THOMAS MULLEN – Weißes Feuer

Im zweiten Band über die erste Einheit farbiger Polizisten in Atlanta beschreibt Thomas Mullen wieder auf sehr fesselnde Weise die komplexen Gesellschaftsstrukturen zwischen gelebtem Rassismus und organisiertem Verbrechen der 1950er Jahre. Es geht um ein Viertel, das durch seine ersten farbigen Bewohner fast einen Straßenkrieg auslöst und den Ku-Klux-Klan auf den Plan ruft. Dass hier ein Großteil der weißen Polizisten Mitglied sind, weil ihre Karrierechancen davon abhängen, macht es nicht unbedingt leichter. Und dann wird auch noch ein Weißer etwas abseits von Atlanta erschossen – angeblich von KKK-Mitgliedern. Ich mag die Mischung aus hard-boiled-crime und Gesellschaftsstudie, die mir ein Amerika zeigt, das seinen Rassismus vor noch gar nicht so langer Zeit sehr offen auslebte.

LESE ICH GERADE

JEAN STAFFORD – Die Berglöwin

Begonnen habe ich mit diesem wiederentdeckten Klassiker der amerikanischen Literatur über ein Geschwisterpaar, das auf dem Land bei seinem Onkel die Ferien verbringt und die Schönheit der Natur für sich entdeckt. Es soll sich um eine Coming-of-Age-Geschichte handeln. Ich habe bisher erst wenige Kapitel gelesen und merke, dass dieses Buch nicht mal eben so weggelesen wird. Es ist intensiv, aber sprachlich sehr interessant.
Mal schauen, wie schnell ich es aber im Alltag mit geringer Aufmerksamkeitsspanne am Abend durchgelesen bekomme. Gerade fühlt es sich nach einem etwas längeren Projekt an.

Eure Mareike

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