Adeline Dieudonné – 23 Uhr 12

Adeline Dieudonné – 23 Uhr 12

Vielleicht erinnert ihr euch an das rasante, überraschende und filmische Debüt von Adeline Dieudonné: „Das wirkliche Leben„. Dieser Roman ging bis an die Schmerzgrenze und hat mich dazu gebracht, dass ich ihn in einer Nacht durchlese.

Nun ist ihrer neuer Roman erschienen: „23 Uhr 12“. Eine Geschichte, die auf einem Tankstellenparkplatz in einer Sommernacht die Leben von zwölf Menschen und einem Pferd miteinander verbindet. Zwölf sehr skurrile, teilweise gestörte Menschen, die auf der Durchreise sind. Der Romantitel macht schon deutlich, dass um 23 Uhr 12 etwas passieren wird und mit jedem Kapitel nähert man sich diesem Ereignis weiter an.
Der ganze Roman ist eigentlich eher eine sehr geschickte Storysammlung. In jedem Kapitel wird eine kurze Episode aus dem verdrehten Leben der Figur erzählt. Wir lernen eine einsame philippinische Nanny kennen, einen Gynäkologen mit einer sehr merkwürdigen Beziehung zu seinen Eltern, eine kaltblütige Fitnessinfluencerin, einen Pickup-Artist, der als Madenverkäufer tätig ist und viele andere.

Mit jeder Geschichte dachte ich: Okay, skurriler kann es nicht werden. Und dann haut einen die nächste Story doch noch mehr aus der Bahn. Es ist ein brutales Buch, ein offenes. Eins, das hemmungslos in dunkle Abgründe schaut, dabei aber seinen Humor nicht verliert und einen immer wieder überraschen kann.
Es ist von der Tonalität wie ihr Debüt, doch hat dieses Buch noch „Cat Person“-Vibes, indem die Kapitel wie Kurzgeschichten immer mit einem Knall enden.

Dieses Buch ist sicherlich nicht für jede*n gemacht. Ich war nach kurzer Zeit wieder völlig gefesselt und habe es in wenigen Stunden verschlungen. Auch wenn mir manche Dinge, wie die Delfin-Story, wohl nie wieder aus dem Kopf gehen werden.


Adeline Dieudonné – 23 Uhr 12
Übersetzt: Sina de Malafosse
Verlag: dtv
Gebunden, 176 Seiten